Wenn Teenager ihre letzten Nischen an die Helikoptereltern verlieren

10. Februar 2019 - von - Jens  - 
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Du erkennst sie an ihren Jacken: Sie tragen Jack Wolfskin, The North Face oder Tommy Hilfiger. Sie tragen Bart, gern auch Brille. Einige von Ihnen tragen auch schon leicht schütteres Haar. Und sie stehen mehr an der Seite als das sie fahren, oft mit einem leicht besorgten Blick. Es sind diese besorgten Väter, die sich jetzt auch auf unserer – eigentlich sogar meiner – Lieblingseisbahn tummeln. Mit dabei haben sie auch ihre Frauen, die besorgten Mütter. Und natürlich sind da auch noch das Mädchen und der Junge mit Doppelname und Bindestrich. Alle Vier erkennst du. Denn sie passen nicht in diese Kulisse, die ich seit etwa 1994 besuche – meine Eislaufbahn im Osten von Berlin.

Als ich damals auf wackeligen Beinen das Eislaufen erlernte, da waren dort Kids und Jugendliche aus den Plattenbauvierteln der Umgebung. Sie waren auf den Kufen unterwegs wie Halbgötter. Es waren meist deutsche Kids, eher so Ronnys oder Pamelas. Bodenständig, manchmal ganz schön stumpf und eher nicht links. Ich fühlte mich damals nicht wirklich wohl dort. Und so wechselte ich in eine andere Eishalle – die sogar regelmäßig eine Eisdisko veranstaltete. Ja genau: Mit all dem schlechten 90er-Jahre-Eurodance-Trash.

Einige Jahre später fuhr ich wieder gelegentlich in die Halle von 1994. Sie hatte einfach die größere Eislauffläche und der Eintritt war günstiger. Inzwischen war das Publikum aber noch schlimmer geworden. Man musste schon mal Angst haben, von einem Jugendlichen als Linker wahrgenommen zu werden. Das hätte dann Stress bedeutet. Dazwischen gab es allerdings doch immer mehr Kids, die Russisch sprachen. Offenbar war ein Großteil der Russlanddeutschen in die umliegenden Plattenbauviertel gezogen. Es war spannend zu beobachten, wie die Deutschen Respekt hatten vor den Russen. Man beäugte sich, ließ sich aber in Ruhe. Das war zumindest mein Eindruck.

Vor ein paar Jahren startete ich einen neuen Versuch. Unser großer Sohn war in dem Alter, in dem man mit dem Schlittschuhlaufen locker beginnen konnte. Darüber hinaus gab es die Bahn mit der Eisdisko schon gar nicht mehr. Und siehe da: Es hatte sich in der Halle von 94 viel verändert.

Eine neue Security Crew und vermutlich auch ein neuer Betreiber hatten zu einem anderen Publikum geführt. Es waren ganz normale Menschen auf der Bahn. Es gab einen guten Querschnitt. Der rechte Pöbel war weg und man fuhr Menschen verschiedenster Herkunft, Hautfarbe und Kulturkreise über den Weg. Es war friedlich trotz kleiner Security-Mannschaft. Es machte sehr viel Spaß auf der Bahn zu sein und es war schön unserem Kind dabei zuzuschauen, wie es Stück für Stück ein sicherer Schlittschuhläufer wurde.

Inzwischen sind wir wohl schon wieder die dritte oder vierte Saison dabei. Wir kommen auf ein bis zwei Besuche im Monat. In dieser Saison änderte sich jedoch von Besuch zu Besuch das Publikum. Bestand es zu Beginn noch aus dem oben beschriebenen Mix, merkte man immer mehr, wie diese besorgten Eltern auftauchten. Sie leihen keine Schlittschuhe, wie es ein Großteil der Gäste eigentlich tut. Sie haben ihre eigenen Schuhe. Sie tragen Klamotten, die sie für arktische Expeditionen qualifizieren. Und sie schauen immer so besorgt drein. Für ihre Kinder tun sie alles. Sie blockieren Ein- und Ausgänge, damit IHRE Kinder ganz vorsichtig auf das Eis oder von dem Eis kommen können. Sie nehmen ihr Kind schützend zwischen sich und blockieren so die Bahn für all die Menschen, die schon fahren können. Sie schauen öfter erbost oder gar fluchend den Jugendlichen hinterher, die an ihren Kids etwas zügiger oder sogar übermütig vorbeifahren.

Am heutigen Sonntag waren diese Eltern – gefühlt – in der Überzahl. Natürlich dürfen sie da sein. Es ist ihr gutes Recht. Und sie dürfen auf ihre Kinder aufpassen. Sie dürfen besorgt sein. Doch sie zerstören auch eine Atmosphäre. Denn unter den bisherigen BesucherInnen waren eben auch viele Jugendliche, die wohl noch in dem Alter sind, in dem sie noch nicht durch die Clubs der Stadt ziehen dürfen. Es sind die Teenager, die sich grell schminken oder auf dicke Hose machen – in einem recht unschuldigen Umfeld namens Eisbahn. Dort posen sie, bandeln an, streiten sich, verlieben sich vielleicht sogar das erste Mal. Ich hatte in den vergangenen Jahren den Eindruck, die Eisbahn ist eines dieser letzten Refugien, in denen Teenager ganz ungeniert peinliche Sachen machen dürfen – ohne die Aufsicht besorgter Eltern. Man bildet Cliquen und trumpft auf mit Können auf dem Eis. Klar, da legt man ein Verhalten an den Tag, das einem einige Jahre später die Schamesröte ins Gesicht treiben wird. Aber das ist egal. Denn hier auf dem Eis zählen meist nicht die krassesten Klamotten. Hier zählten die coolen Schuhe und insbesondere das Können. Soziale Unterschiede sind weniger zu spüren, als ich es selbst erwartet hatte.

Doch nun wird dieses Biotop der Jugendlichkeit gestört. Eltern kommen in Scharen mit ihren Kids und helikoptern herum. Das ist schade. Und gleichzeitig ist es wohl wieder eine neue Phase in der Halle von 94. Womöglich muss man es einfach nur aushalten.

Und trotzdem frage ich mich: Wird es bald eine Elterninitiative geben, die gegen die fettigen Pommes und Limonaden vom Imbisswagen vorgehen will? Wird sich vielleicht sogar ein Elterngremium bilden, dass neue Eislaufregeln für die Halle aufstellen wird? Was wird aus dem trashigen Musikmix? Wird da zukünftig gruppendynamisch in einer Whatsapp-Elterngruppe über die Musikauswahl diskutiert? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, ich wünsche den Teenagern ihr Biotop zurück und mir ein Eislaufen, das mich relaxen lässt.

ps: Das Lied zum Text.

Mein erstes Mal „Original unverpackt“

03. Februar 2019 - von - Jens  - 
Wiener Straße 16, Berlin-Kreuzberg

Früher fühlte ich mich oft als „early Adopter“. Ob das damals überhaupt der Realität entsprach, kann ich heute gar nicht genau sagen. Heute warte ich häufig ab, renne wenig bis gar keinen Trends hinterher. Deshalb war ich wohl auch erst am Samstag bei „Original unverpackt“, dem Kreuzberger Laden von Milena Glimbovski. Wie es der Name schon vermuten lässt, wird in dem Geschäft möglichst unverpackte Ware verkauft. Ich hatte seit der Gründung 2014 bisher nur davon gelesen.

Milena Glimbovski gründete mit Sara Wolf den Laden, der inzwischen Nachahmer in Deutschland und im Ausland gefunden haben soll. Ich wollte endlich sehen und verstehen, wie das Konzept eines Geschäfts funktioniert, in dem die Lebensmittel und Waren des täglichen Bedarfs ohne Verpackung verkauft werden. Gleich zu Beginn: Es funktioniert.

Es funktioniert, weil Menschen diese Idee nicht nur 2014 in einem Crowdfunding mit gut 100.000 Euro unterstützten, sondern weil an einem Samstagnachmittag permanent Menschen im Laden sind und tatsächlich kaufen. Sie bringen teils gebrauchte Papiertüten mit oder Gläser, in denen sie Mehl, Müsli, Waschmittel oder Tee und Kaffee abwiegen und an einer Kasse nahe dem Ausgang bezahlen.

Der Store ist schlicht und die Wände zieren alte Fliesen, die Bestandteil der ehemaligen Metzgerei sind, die diese Räume früher beherbergten. Heute – so scheint es mir – ist der Laden in erster Linie mit vegetarischen und veganen Produkten ausgestattet.

Gut 600 Produkte sollen in den Regalen auf die KäuferInnen warten. Für mich ist das ungewohnt. Ich bin seit vielen Jahren der Haupteinkäufer der Familie, denn ich koche die meiste Zeit. Meine Frau ist dafür die deutlich bessere Bäckerin. Ungewohnt ist für mich in erster Linie die wenige Farbe in den Räumen. Denn in erster Linie kommt Farbe – besonders die grelle Farbe – durch Verpackungen ins Spiel. Hier fehlen diese. Müsli, Mehl und Co. finden sich in Bulk Bins (Spendersystemen), die meist durchsichtig sind und somit einen direkten Blick auf das Produkt selbst zulassen. Mir fällt auf, wie ähnlich die Produkte in ihren natürlichen Farben sind. Es sind die Naturfarben zwischen Weiß und dunklem Braun.

Flüssigkeiten, wie Haarwaschmittel oder Tahin finden sich in Metallbehältern, die so wohl den Hygienevorschriften im Einzelhandel entsprechen.

Neben den Lebensmitteln finden sich – wie bereits erwähnt – auch Haarwaschmittel und Seifen. Sie dominieren mit ihrem Geruch im Geschäft. Es sind natürlich Produkte, die besonders ökologisch sind. Und somit riechen sie durchaus intensiv.

vegane Schokolade & ein Bretzelsnack

Eben weil die Produkte nicht verpackt sind, kann man Papiertüten und Transportgefäße aus Glas und Metall ebenfalls im Store erwerben. Mir wäre es also ohne Probleme möglich gewesen, meinen Wochenendeinkauf samt wiederverwertbaren Behältnissen zu erledigen. Tatsächlich habe ich mir vier Produkte mitgenommen: einen Neuköllner Honig, eine Solicola, einen kleinen Bretzelsnack und vegane Schokoladendrops, die in etwa Vollmilchschokolade entsprechen sollte. Der Bretzelsnack war lecker und stammte wie die Schokodrops aus Plastikbehältnern, die das Portionieren einfach machten.

Mit der Cola (Pfandflasche) unterstützt man Initiativen, die Projekte mit Geflüchteten möglich machen und der Neuköllner Honig dürfte ein ultraregionales Produkt mit dem vermutlich kürzesten Transportweg sein. Meinen Besuch absolvierte ich auf der Heimfahrt von einer Elterntaxitour und mein Fahrzeug fährt vollelektrisch – es dürfte also auch noch recht nachhaltig gewesen sein.

„Original unverpackt“ hat mir gezeigt, dass es auch eine andere Verkaufskultur geben kann, als wir es inzwischen gewohnt sind. Verpackungen könnten in einem Discounter womöglich nicht komplett weggelassen werden, aber eine deutliche Reduktion dürfte noch immer möglich sein. Gleichzeitig ist die Produktvielfalt deutlich geringer bei „Original unverpackt“. Daran müsste ich mich erst gewöhnen, da mich das in unserem Bio-Supermarkt manchmal schon nervte. Gleichzeitig ist mir klar: Niemand benötigt von jedem Produkt drei oder vier Alternativen. Es ist also in erster Linie die Gewohnheit, die man infrage stellen muss, wenn man sich auf das Konzept von Milena Glimbovski und Sara Wolf einlassen will.

Mir persönlich fehlten im Laden Käse- und Fleischwaren. Ich bin eben noch kein Vegetarier. Allerdings dürften beide Produkte auch wirtschaftliche Risiken bergen, wenn nicht sogar persönliche Gründe der Gründerinnen gegen den Verkauf sprechen. Nur ein Punkt hat mich wirklich stutzig gemacht: Warum müssen vier Trinkröhrchen aus Metall satte 14 Euro kosten?

Fazit: Ich wünschte mir einen solchen Laden in meinem Kiez, denn eine regelmäßige Fahrt zum Kreuzberger Geschäft wäre unverhältnismäßig – mit dem eAuto ob der verbrauchten Energie; per Fahrrad oder ÖPNV würde der Einkauf zu viel Zeit beanspruchen. Insgesamt ist jedoch das Konzept vor Ort sicherlich ein sehr guter Prototyp, der sich adaptieren und anpassen lässt.

Der sporadische Wochenrückblick, KW04-2019

28. Januar 2019 - von - Jens  - 

Back again – das ist schon die dritte Woche, in der ich schreibe. Tripple!

Geburtstagskuchen

Also was war los in der vergangenen Woche? Wir haben den Geburtstag unseres Kurzen gefeiert. Er ist jetzt 6 Jahre alt und ein wirklich toller Typ. Die kleine Party am Samstag war dann auch sehr niedlich. Er hat sie mit vier anderen Kids gefeiert. Gen Ende wurde dann Stopptanzt gespielt – mit einem Techno- und House-DJ-Set von mir. Das hat sich der Schlumpf selbst ausgesucht. Sieht man mal wieder, wie wichtig frühmusikalische Erziehung ist. ;-D Für die Party wurden zwei Kuchen gebacken. Meine Herzensdame buk einen und ich ebenfalls. Ihr Ergebnis war toll. Ich werde wohl noch ein paar Kuchen backen müssen, bis das Ergebnis wirklich gut ist.

Unser Großer hat gleich mehrere gute Zensuren in der Schule bekommen, da freut man sich dann ebenfalls mit ihm. Es ist einfach schön zu sehen, wie er Spaß an der Schule hat.

Musikalisch gab es in dieser Woche eine große Überraschung. Phoebe Bridgers und Conor Oberst haben ein gemeinsames Album veröffentlicht. Für mich ist es bereits eine Pladde für die Top Ten des Jahres. Hab hier noch etwas dazu aufgeschrieben.

„digital reading“, ämir 2019

In Sachen Kunst hab ich in dieser Woche auch wieder kleines Projekt abschließen können. Ich sammle aktuell Posen von Menschen mit digitalen Geräten. Denn mir ist vor einiger Zeit auf einer Reise aufgefallen, dass viele Menschen beim Lesen auf digitalen Geräten sehr schöne, klassische Posen einnehmen. Dadurch fing ich an, die passenden Bilder zu sammeln und sie in Skizzen zu abstrahieren. Ziel ist eine größere Arbeit auf einer Holzplatte. Das kann aber noch etwas dauern. In der Zwischenzeit nehme ich die Bilder einzelner Personen und breche sie auf Linoldruckmotive herunter. Ich mag diese minimalistische Art von Linoldruck. Auf Instagram kann man meinem Treiben auch folgen >>

Wenn du wissen willst, wann wir am Sonntag starten…

Am Sonntag war ich tatsächlich wandern. Wir sind um den Groß Glienicker See gelaufen. Das war eine durchaus überschaubare Strecke von nur 6,5 Kilometern. ABER für ein MVP – Minimum Viable Product – für weitere Strecken war das eine feine Leistung. Denn wir drei WanderInnen (Betti, Anna und ich) trafen uns im Dezember letzten Jahres bei einer Trauerfeier und beschlossen dann im Januar in Brandenburg wandern zu gehen. Spontan gründeten wir eine Whatsapp-Gruppe, was Medienfuzzies halt so machen. Für mich blieb etwas Skepsis, ob nach klassischem Berliner Stil nur ein „Plan“ bleibt oder ob auch eine Umsetzung folgen wird. Ein paar Chatnachrichten später war der 27. Januar ran und wir liefen tatsächlich los. Fazit: Wir haben gut gequatscht, etwas frische Luft getankt, uns entspannt und sind langsam aber ordentlich eingeregnet worden. Ende vom Lied: Wir planen gerade die Februartour und ich muss mich noch um das Imprägnieren meiner Jacke kümmern. Wer eine nette Wandertour für Brandenburg hat, die man gut von Berlin aus erreichen kann, dann bitte gerne Tipps in die Kommentare. Vielen Dank!

In dieser Woche bin ich auch gut unterwegs. Am Montagabend geht es zur Awardverleihung von „Die Goldenen Blogger“. Am Donnerstag fahre ich nach Hamburg und bin am Abend dann beim Neujahrsauftakt des Bundesverbandes deutscher Pressesprecher (BdP) dabei. Am Freitag steht dann für unseren Großen die Zeugnisausgabe an. Wir drücken ihm alle Daumen.

Better Oblivion Community Center

24. Januar 2019 - von - Jens  - 

Mein Musikgeschmack ist recht breit. Er definiert sich ganz einfach danach: Wirkt das Musikstück authentisch oder nicht? Das geht bei der Klassik los, wo ich die Karajan-Aufnahmen sehr mag, über Big-Band-Jazz, Roots-Reggae, Dub bis hin zu Elektronik, Rap, Soul, Funk, Metal oder sehr gutem Pop. Mein eigener Anspruch an Musik ist dabei recht banal: Ein Song ist gut, wenn er auch nur mit der Klampfe am Lagerfeuer funktioniert. Der Witz daran: Ich selbst kann überhaupt kein Instrument spielen!

Eine kleine leidenschaftliche Insel gibt es trotzdem innerhalb meines Meeres von Musikstilen, die ich ganz besonders mag. Ich stehe auf Singer-Songwriter-Sachen. Da ist zum Einen alles, was Amy MacDonald an Liveaufnahmen veröffentlicht hat. Und da ist zum Anderen so gut wie alles, was es von Conor Oberst zu hören gibt. Aufmerksam wurde ich auf ihn natürlich durch das Projekt Bright Eyes, was ja im Wesentlichen auch Conor Oberst selbst ist. Und so habe ich mich heute sehr gefreut, als ich feststellen musste, dass der Sänger gemeinsam mit Phoebe Bridgers unter dem Namen Better Oblivion Community Center ein Duett-Album veröffentlicht hat. Die Visions hat gleich mal ein paar Infos zusammengestellt. Der NME hat zusätzlich ein Interview mit den zwei KünstlerInnen auf Youtube veröffentlicht.

Nach dem ersten Durchhören war ich gleich restlos begeistert. Es sind 10 Singer-Songwriter-Stücke mit ein paar schönen Entgleisungen. Die erste Single Dylan Thomas, die man direkt in der Show von Stephen Colbert präsentierte, ist auch mein Favorit im Moment. Das kann sich im Laufe der Zeit noch ändern, wenn ich mir die kompletten Songs erschlossen habe. Insgesamt klingt die Aufnahme konservativ produziert, was dem Ganzen etwas sehr nahes und direktes gibt. Ich hab den Eindruck, ich sitze neben dem Duo im Studio. Sowas mag ich ja sehr. Schon weil ich durch den Produzenten Moses Schneider verstehen lernen durfte, wie viel besser eine direkte Aufnahme – am besten noch parallel mit allen Instrumenten – klingen kann.

Dieses Album hat sich direkt als Kandidat für die Top5 meiner Alben 2019 qualifiziert. Darüber hinaus ist es schon nach dem ersten Durchhören dicht dran an Adam Green & Binki Shapiro. Diese Platte hatte sich über die Zeit zu einer meiner liebsten Scheiben überhaupt entwickelt.

Das digitale Album ist bereits bei den Downloadstores und Streamingdiensten des Vertrauens verfügbar. In physischer Form soll es am 22. Februar 2019 erscheinen. Der Berliner Radiosender FluxFM hat auf seiner Facebook-Seite verraten, dass die Band am 5. Mai in Berlin spielen soll. Die Location würde noch bekanntgegeben.

DER SPORADISCHE WOCHENRÜCKBLICK, KW03-2019

20. Januar 2019 - von - Jens  - 

Tatsächlich schaffe ich auch in der folgenden Woche einen Rückblick. Das ist fast schon rekordverdächtig! Dafür ist es inhaltlich etwas dünner.

Was geschah in der letzten Woche? Ich habe mich über Oliver Kalkofe aufgeregt und spontan ein sporadisches Twitterspiel entwickelt. Mal sehen, wann ich den Aufwand wieder betreiben werde. Bin aber gern bereit, die Idee gemeinsam mit der Twitteria da draußen weiterzuentwickeln. Also auch mit DIR, die oder der DU das hier gerade liest!

Außerdem haben wir in unserer Firma eine Elternzeitvertretung offen. Mein Partner hat den Text verfasst, ich hab das dann ins Netz getüdelt. Wenn sich also jemand in der Lage sieht bzw. Interesse hat: Wir suchen eine Assistenz der Geschäftsleitung (m/w/d). Über eine neue Kollegin oder einen neuen Kollegen freuen wir uns.

Ein spannendes Thema gab es doch noch in dieser Woche: Meine Patentochter feierte ihren 16. Geburtstag. Es gab Schampus, Geld und ein von mir gemaltes Bild. Unsereins geht natürlich nur noch zur Party der Erwachsenen, die Jugendlichen feierten schon zuvor ohne uns Alten. So schnell vergeht die Zeit…

Mit unserem großen Sohn (11) besuchten wir am Samstag weiterführende Schulen. Das ist hier im Zentrum der Stadt (Friedrichshain-Kreuzberg) kein Zuckerschlecken. Es gibt zu wenig Schulen für zu viele SchülerInnen. Und das macht wieder deutlich, wie dieses Schulsystem kaum Durchlässigkeit ermöglicht. Denn es werden gar nicht die Kapazitäten dafür vorgehalten – zumindest nicht hier im Zentrum Berlins. Für unseren Großen sehen wir zum Glück keine großen Schwierigkeiten. Er kann einen recht guten Durchschnitt erwarten. Dadurch ist die bevorzugte Schule wahrscheinlich doch machbar. Aber insgesamt sah ich an diesem Samstagvormittag in viele Gesichter verunsicherter Eltern. Gleichzeitig mochte ich die Schulbesuche. Ich war selbst sehr gern in der Schule.

Einen neuen DJ-Mix gibt es auch. Am Freitag gab ich mit meiner Computermaus wieder alles und ließ die Leute bei Instagram mir dabei auf die Tasten schauen. Das Set wird gen Ende etwas krachiger. Ich hab ein paar Tracks und Loops entdeckt, die ein wenig mehr Druck machen und ich wollte damit einfach herumspielen.


Die Brücke zur Musik ist eh gerade geschlagen. Da kann ich auch noch auf einen bevorstehenden Kinofilm aufmerksam machen. Die Premiere des Dokumentarfilms „Weil Du nur einmal lebst – Die Toten Hosen auf Tour“ steht an.

Der Film wird im Rahmen der diesjährigen Berlinale während einer Berlinale Special Gala gezeigt. Der reguläre Kinostart ist dann für den 28.3.2019 terminiert. Die Regisseurin Cordula Kablitz-Post hatte die Band samt ihrem Team auf der letzten Tour „Laune der Natour“ begleitet. Die Vorführungstermine auf der Berlinale stehen noch nicht fest und werden aber am 29. Januar bekannt gegeben. Der Kartenvorverkauf startet am 4. Februar 2019.

Nachdem ich mit „Kolbe“ von Andreas Kollender ein ganz gutes Hörbuch beendet habe, geht es mit „Totenliste“ von Harald Gilbers in Taschenbuchform weiter. Doch noch kurz zu „Kolbe“ – der Roman abstrahiert etwas die Lebensgeschichte von Fritz Kolbe, dem vermutlich wichtigsten deutschen Spion der Amerikaner im zweiten Weltkrieg. Ich kannte dessen Geschichte gar nicht. Aus dem Roman heraus gibt es dafür eine recht schmissige These: Kolbe galt als Verräter – selbst unter deutschen Widerständlern, denn er hat mit seinen Infos für die Amis auch deutsche Soldaten „verraten“. Gleichzeitig waren genügend Deutsche nach dem Krieg daran interessiert, das missglückte Attentat auf Hitler (1944) zu glorifizieren, da damit suggeriert werden konnte, die deutsche Generalität hätte sich gegen Hitler aufgelehnt. Ich selbst will die Leistung der Leute um Stauffenberg gar nicht kleinreden. Das steht mir nicht zu. Allerdings glaube ich seit längerer Zeit, dass dieses Attentat nach dem Krieg viel genutzt wurde, um – insbesondere – die Rolle der Wehrmacht im Krieg nachträglich in ein besseres Licht zu rücken. Dabei ist inzwischen klar, dass diese Armee eine Naziarmee war, die um die Greueltaten der Faschisten wusste, die diese in den von ihr eroberten Gebieten begingen.

„Fritz Kolbe war konsequent im Gegensatz zu den Verschwörern des 20. Juli“, sagt Peter Sichel, ein früherer OSS-CIA-Agent und Freund „dieses mutigen Deutschen“.

zeit.de >>
Der kleine Schlumpf bat in dieser Woche wieder um Nagellack auf den Fingern. Dem Wunsch wurde entsprochen.

Die kommende Woche wird sicherlich toll. Unser kleiner Sohn wird schon 6 Jahre alt. Eine entsprechende Party mit Kids steht bevor. The Incredibles sind als Motto vom Kurzen vorgegeben. Ein Film, den auch die ganz Familie sehr liebt. Der zweite Teil war kürzlich ein großer Kinospaß für uns Vier. Ich freue mich jetzt schon darauf, wenn der Knopf endlich überall verkündet: Ich bin schon 6!

Ich bin 1 PolitikerIn – Zitiert mich!

16. Januar 2019 - von - Jens  - 

Rund um mich herum gibt es gerade zahllose Medienmenschen, die sich der RTL-TV-Show „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ aussetzen. Und parallel dazu habe mich heute ganz massiv über einen Tweet des Comedians Oliver Kalkofe echauffiert. Look at this.

Ich habe das große Glück, RTL nicht mehr zu empfangen. Wir sind hier in Berlin recht früh mit einem MacMini als Mediacenter unterwegs gewesen und haben über einen DVBT-Dongle Fernsehen geschaut. Nach dem Umstieg auf DVBT2 hatten wir keine Privatsender aber 18 öffentlich-rechtliche Sender in HD-Qualität auf unserem neuen Fernseher. So komme ich nicht mehr in den „Genuss“ von Privatfernsehen.

Und weil ich nun so ein verkappter Bildungsbürgerheini bin, der sich hier mit mangelndem TV-Konsum brüstet, kam ich auch gleich noch auf die glorreiche Idee, aus „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ eine kleine Twitter-Schau namens „Ich bin 1 PolitikerIn – Zitiert mich!“ aus dem Stegreif zu entwickeln. Medienfuzzi halt!

Was könnte passieren? Man sucht sich ein paar Tweets von PolitikerInnen zusammen und stelle sie in den Kontext eines Lagerfeuergesprächs, wie im Dschungelcamp Gesprächsfetzen auch aufgeschnappt und anschließend von der TV-Produktion passend zusammengeschnitten werden.

Ich habe bereits seit einiger Zeit die steile These, dass Twitter von PolitikerInnen maßgeblich genutzt wird, um zitierfähige Punchlines den JournalistInnen auf Twitter schmackhaft zu machen. Und dazu gehört dann eben auch, bei „Ich bin 1 PolitikerIn – Zitiert mich!“ zu landen. Denn das Internet ist ein Dschungel und #IB1P sollte das Hashtag dazu sein.

Eine Kostprobe gefällig? Und bitte!

Es wird Abend im Politikdschungel. So langsam versammeln sich die Camp-TeilnehmerInnen rund um das digitale Lagerfeuer. Sie kramen ihre Smartphones raus, lesen Twitter und checken: Boah, die haben die Brexit-Abstimmung vergeigt, dazu muss ich dringend EINEN raushauen.

Schauen wir doch mal, was der ehemalige Gesundheitsexperte der SPD Karl Lauterbach so von Theresa May hält? „Sie hat ihr Scheitern selbst verursacht. Die vielen Fehler und die selbstherrliche Art machen sie zu einer „würdigen“ Nachfolgerin von Cameron.“ Hmm, komisch – selbstherrlich und scheitern? Na das sind doch gleich zwei Themen, mit denen sich die SPD-Führungsriege supi auskennt – gell? Einen Extrastern für Lauterbachs selbstkritische Kompetenzkompetenz!

Die CDU-Frau und Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner tangiert das alles nur sehr peripher. Sie hat sich etwas vertan und schwadroniert: „Bin begeistert, wie die Ideen umgesetzt worden sind: digitaler Weinberg und Stall, Aufklärung über Ernährung und Landleben, Präzisionslandwirtschaft u.v.m.“ Äh … leider Thema verfehlt – sie hat beim Vorglühen zur Grünen Woche vertüdelt, dass es eben nicht um Gras und Alkohol geht, sondern um ein Inselvolk im Atlantik, über das man schon seit Asterix und Obelix weiß, dass der Fünf-Uhr-Tee sein wichtigster Erfolgsgarant ist.

Sarah Wagenknecht, die Dame mit der gelben Weste und den Schwierigkeiten beim Aufstehen, sie ist immer für einen guten Rat unter FreundInnen: „Nach Mays krachender Niederlage sollte es Neuwahlen geben.

Mit lieben Tipps unter FreundInnen ist sie da auf ganzer Linie mit unserer so herzlichen Social-Media-Ministerin Doro Bär. Sie postulierte schon vor einigen Tagen über den Kuschelfaktor bei Twitter: „Flausch auf Twitter ist übrigens viel schöner, als der ganze Hass….“

Der Hanfpflanzen-Fan Cem Özdemir nickte und schmauchte fluffig an seinem Pfeifchen, bevor er eine Karteikarte aus seiner Weisheitenkiste zog. Auf der stand: „Wer A sagt, der muss nicht B sagen. Er kann auch erkennen, dass A falsch war“ so Bertolt Brecht.

Dieses tief vergeistigte Zitat nahm der cute (lies kjute) Lars Klingbeil volley und brachte es ganz flauschig auf den Punkt: „Für uns ist klar: Die Tür für Großbritannien nach #Europa bleibt offen.“ Awww – ist das nicht voll schöhön? Dann schau aber erst mal auf seinen vollständigen Tweet! Der ist sooo süß, für den braucht es glatt einen Gefahrenzuschlag wegen Diabetes-Gefahr. Gucksdu hier!

Klicken Sie auch beim nächsten Mal wieder rein, wenn es auf diesem kleinen Blog heißt „Ich bin 1 PolitikerIn – Zitiert mich!“

Der sporadische Wochenrückblick, KW02-2019

13. Januar 2019 - von - Jens  - 

Fühlte ich mich neulich noch bloggerisch, so sind nun schon fast wieder 14 Tage vergangen, bis es hier zum nächsten Eintrag kommt. „Der sporadische Wochenrückblick“ soll mir helfen, doch etwas dran zu bleiben. Er soll aber auch die Chance auf gelegentliches Scheitern transportieren.

Chronologisch wird so ein Rückblick hier auch nicht, auf Vollständigkeit gibt es schon mal gar keine Garantie. Ich lass es einfach fließen, DU…

Heimathafen Neukölln, Berlin

Getriggert wurde ich überhaupt durch den gestrigen Samstagabend. Ich habe das Jahresfinale des REALSATIRE REPORTER SLAMs besucht. Es machte mich einer der Teilnehmer aufmerksam, Yassin Musharbash. Er hatte einen der lokalen Slams 2018 gewonnen, den in Hamburg. Und so saß ich da gestern Abend nahe dem Fußboden im Heimathafen Neukölln und ließ mich von 7 JournalistInnen und ihren Slambeiträgen unterhalten.
Es war eine schöne Auswahl: mal ernst, mal witzig, was mit Tieren, von Frauen und Männern und dazu nen GinTonic. Organisiert wurde der Abend vom Team Realsatire und musikalisch gab ein gewisser Ukulelenbarde namens Bommi sein Bestes. Kurzum, es war ein Abend, an dem ich wieder mal an den Journalismus glauben konnte. Es geht also deutlich mehr, als der eigene Pessimismus manchmal sehen will. Gewonnen hat übrigens der Christian Helms mit seinem investigativen Wortbeitrag zur Entstehung des Beitrages Ein Anruf bei der deutschen Kartoffel – „Muss wieder mehr Stärke zeigen“. Dieser entstand kurz vor den Enthüllungen rund um Claas Relotius bei SpOn. Relotius war natürlich mehrfach Thema, klar bei einer Horde Medienfuzzies.

Was passierte sonst noch in dieser Woche? Ach ja, Grünen-Chef Robert Habeck hatte die sozialen Medien durchgespielt und anschließend seinen Twitter- und seinen Facebook-Account gelöscht. Putzig ist der Gedanke, dass die Benutzerkonten tatsächlich gelöscht und die Daten bereinigt wurden… Ich habe jedenfalls dazu meine 2 Cents bei medienrot.de hinterlassen und hoffentlich das passende Pressebild dafür ausgesucht. Bei medienrot.de läuft auch einer meiner Podcasts. In dieser Woche veröffentlichten wir dort die Folge mit Rebecca Ahlen zu Medieninnovationen.

Apropos Podcast – in dieser Woche startete auch „Faking Hitler“, in dem der Stern in 10 Folgen noch mal die Geschichte des Medienskandals rund um die falschen Hitler-Tagebücher hat aufbereiten lassen. Produziert wurde die Hörserie im vergangenen Jahr von Isa von Heyl, Malte Herwig, Nilz Bokelberg, Maria Lorenz und Frida Morische. Ich mochte die erste erschienene Folge und gebe hiermit eine Hörempfehlung.

Musikalisch kann ich da gleich noch zwei Hörempfehlungen anschließen. Dank dem Zuckerstueckli von FluxFM wurde ich auf die Sängerin Lizzo aufmerksam. Offenbar bin ich aber mal wieder spät dran. Die Dame hat bereits mehrere feine Tracks veröffentlich. Mit „Juice“ (Super Video!!!) ist eine aktuelle Single am Start, die ich als most funky bezeichnen möchte. Ich hab den Song der Lady direkt in meine Spotify-Playlist strong female voices geschoben. Freue mich über Abos und passende Hinweise.

Erst zu Beginn des Jahres habe ich meine Mixcloud-Playlist gestartet. Unter radiodigitalia veröffentliche ich dort meinen eigenen Audiooutput. Aktuell gibt es zwei meiner DJ-Sets, die ich mit der Software Traktor DJ 2.0 auf einem älteren Macbook mixe. Nach einem Neujahrsmix, kam am letzten Freitag dann der erste Mix von einem Instagram-Livestream dazu. Ich wollte knapp eine Stunde aufzeichnen, der Livestream bei Instagram riss leider nach gut 40 Minuten ab. Das komplette Set konnte ich allerdings sichern und bei Mixcloud online stellen. Ich will zukünftig immer wieder freitags gegen 21.45 Uhr einen Livestream bei Instagram mit einem DJ-Set durchziehen. Warum? Weil es geht und es mir Spaß macht. Musikalisch wird es vorrangig um Housiges gehen. Das ist einfach meine favorisierte Musik, wenn ich die Hüften schwingen und mixen möchte. Der Livestream wird vorher angekündigt und kommt dann live aus meiner Küche – äh dem „Kitchen Club“. Die Idee zu dem Livestream kam mir durch die regelmäßigen Videosessions von Hand. Dahinter steckt der Berliner Drummer Sascha Bachmann, der unter dem Namen eine Art Ambient-Loop-Music mit analoger Hardware veröffentlicht und auch bei Facebook live in Streams vorstellt und bei dem ich am vergangenen Wochenende zur Vorstellung seiner neuen EP vorbeischauen durfte.

Zu guter Letzt habe ich heute den neuen Brief an Journelle verschickt. Damit geht die Produktion der 3. Folge unseres Briefcast-Podcasts in die nächste Runde. Das Thema ist etwas heikel für mich, aber ich hoffe, dass ich gut durchgekommen bin. Demnächst gibt es dann also eine weitere Ausgabe. Infos folgen.

Neujahrsmix

01. Januar 2019 - von - Jens  - 
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Ohne ein wenig Groove sollte das Jahr 2019 nicht starten. Und weil ich am letzten Tag des Jahres 2018 mein Setup wieder zusammengefummelt habe – ein älteres Macbook, die Software Traktor 2.0 (von Native Instruments) und die externe Soundkarte Audio2 (ebenfalls von Native Instruments) – gibt es heute direktamente einen kleinen House-Mix von 50 Minuten für Dich auf die Ohren.

Ich habe ihn direkt bei Mixcloud hochgeladen und dafür bei Beatport vorher sogar neue Tracks geshoppt. Man muss schon sagen: DJing 2.0 ist tatsächlich einfach und schön geworden. Es geht eben mehr um das Kuratieren guter Musik und mit der Software kann man das möglicherweise nicht so 100-prozentige Gehör ausgleichen und bekommt relativ gute Übergänge fertig.

Warum ich alle Firmen und Produkte nenne? Weil ich hier keinen großen Hype um meine DJ-Künste machen möchte. Ich bekomme aber auch kein Geld für Namensnennungen oder Verlinkungen. So ist es nur einfacher für die LeserInnen, die selbst mit dem DJing liebäugeln. Es ist eben kein Hexenwerk mehr und reicht auf jeden Fall für den kleinen House-Gebrauch. ;-)

Meine Musik 2018

30. Dezember 2018 - von - Jens  - 

Es waren die beiden Frauen Franziska Bluhm und Melanie Gollin, die in mir den Drang zum Publizieren einer Art Liste für 2018 triggerten. Franziska Bluhm ist u.a. eine der MacherInnen des Awards „Die Goldenen Blogger“. Sie hat ihren Jahresendzeitfragebogen 2018 auf ihrem Blog veröffentlicht. Melanie Gollin ist Musikredakteurin bei meinem Lieblingsradio FluxFM und hat ihre Topsongs 2018 als kurze – nicht verlinkbare – Instagram-Story veröffentlicht. Franziska kenne ich inzwischen seit einiger Zeit persönlich, Melanie Gollin nicht.

Damit wäre der Einstieg also die Herleitung. Jetzt muss hier aber mal der Content an den Start gebracht werden. Musik ist das Thema. Ja genau!

Ich war in diesem Jahr viel zu selten bei Konzerten. Um genau zu sein: Ich erinnere mich aktuell nur an eins. Vielleicht auch, weil es alles andere massiv überstrahlt hat. Ich habe mir den Wunsch endlich erfüllen können und ein Interpol-Konzert besucht. Besser gesagt: Meine Herzensdame hat es mir ermöglicht. Sie hat mir im Sommer ein Ticket für das Konzert am 25. November 2018 im Berliner Tempodrom geschenkt. Und obwohl sie nicht dabei war, muss ich gestehen: Es war das wohl beste Konzert meines Lebens bisher.

Das Tempodrom fasst nur 3.500 Leute und hatte eine grandiose Akustik bei dem Gig. Der Mensch am Mischpult hat wohl auch beste Arbeit geleistet: klarer, trockener und sehr direkter Sound. Der Lichtmensch war ebenfalls ein Meister vor dem Herrn. Das Licht war vorrangig monochrom gehalten. Von der Bühne gab es mal rotes, blaues, grünes oder weißes Licht. Wenn es mal – selten – einen „Farbmix“ brauchte, dann war es eine der genannten Farben mit Weiß. Die Band Interpol selbst spielte perfekt. Musikalisch war das Programm breit, man präsentierte nicht nur die aktuelle Platte „Marauder“, sondern bot Songs aus dem gesamten Portfolio. Dabei gab es kaum Ansagen. Der Sänger gilt als schüchtern, soll früher gar mit dem Rücken zum Publikum gesungen haben. Das war im Tempodrom nicht mehr nötig. Aber genau das Zurückgenommene des Sängers Paul Banks gab der Band die volle Aufmerksamkeit. Im Halbdunkel spielte man auf der Bühne als eine Gemeinschaft, die dem Publikum feine Musik mit einem Maximum an Melancholie bot. Ich wusste gar nicht, wie großartig so viel Melancholie auf einem Haufen sein kann. Das Konzert hat mich deshalb auch vollkommen euphorisch auf den Heimweg geschickt und ich bin nachhaltig begeistert und kann den Besuch eines Interpol-Konzertes uneingeschränkt ans Herz legen!

[Sollten mir weitere Konzertbesuche einfallen, werde ich hier ein Update einfügen.]

In Sachen neue Songs bzw. neue KünstlerInnen fällt mir der Rückblick etwas einfacher. Dabei unterstützt schon mal Spotify, denn man erhält ungefragt dank Datenauswertung seiner persönliche Hitliste des Jahres. Gleichzeitig sieht man hier auch die Grenze der Daten: Meine Top3 Songs bzw. KünstlerInnen finden sich nicht in der Spotify-Liste wieder. Sie hörte ich vorwiegend über andere Kanäle, wie Youtube oder im Radio.

MEINE TOP3

Hier also schon mal die Top3, die sowohl Song- als auch MusikerInnen-Entdeckungen sind.


First Aid Kit – Ruins: Die Damen von First Aid Kit landeten in meinen Ohren durch das Radio. FluxFM ist ein Berliner Privatradio, das noch immer geiler ist, als 80 Prozent der öffentlich-rechtlichen Radiostationen in Deutschland. Und das soll was heißen. Denn die allerallermeisten Privatradios sind noch deutlich schlechter. Die Band stammt aus Schweden und läuft unter den Genres Folk, Indie Folk, Americana, Country Folk. Ich mag Singer- Songwriter-Musik sehr, wenn sie weit weg vom Betroffenheitssongwettbewerb zelebriert wird.


LP – Girls Go Wild: Laura A. Pergolizzi alias LP schrieb schon Hits für Rihanna und Christina Aguilera. Um so spannender ist ihr persönlicher Ansatz, wenn sie als LP ihre Musik veröffentlicht. Es ist erwachsener Pop auf die Spitze produziert, ohne irgendwie Kompromisse zu machen. Ihre Stimme ist prägnant, „Girls Go Wild“ ist einfach ein Hit. Die komplette Platte „Heart to Mouth“ ist großartig.


Wargirl – Poison: Psychedelisch mit Falsett-Gesangseinlagen – so würde ich den Song „Poison“ beschreiben. Stampfender Beat, melodische Flächen plus eben Gesang. Auch hier begeistert mich der konkrete Ansatz ohne Rücksicht auf irgendjemand. Die gesamte Platte „Wargirl“ bleibt dabei in einem Retrostyle, der irgendwie zurück in die 60er und 70er verweist. Aber das ist okay. Man hat eventuell die guten Platten der Bee Gees gehört und auch Blondie. Beides kann nicht falsch sein.

Darüber hinaus habe ich in diesem Jahr erst wirklich die Pianisten Chilly Gonzales und Malakoff Kowalski für mich entdeckt. Da ist dann ein Streaming-Dienst schon ein Segen, weil man so unkompliziert in Alben reinhören kann.

Apropos Alben: Ich merkte auch 2018 wieder, wie ich noch immer komplette Alben höre. Da bin ich offenbar altmodisch, ich will schon wissen, in welchem Kontext die einzelnen Singles stehen.

Gefreut habe ich mich über das neue Album „Merrie Land“ von The Good, The Bad & The Queen. Das ging mir mit Chefket und seinem Album „Alles Liebe“ so. „High as Hope“ von Florence + The Machine war auch ein Gewinn.

[Sollten mir weitere KünstlerInnen und Songs einfallen, werde ich hier ein Update einfügen.]

Mit 42 Jahren bin ich nicht mehr so fit, was die heißesten und frischesten Neuerscheinungen angeht. Mit FluxFM habe ich vor Jahren jedoch meinen Sender gefunden, der mir einen für mich passenden Überblick gibt und dabei auch recht breit aufgestellt ist. Großartig finde ich an dieser Stelle die Entwicklung der Sendermarke, die um musikaffine Podcasts und eine Streaming-App mit zahlreichen Nischenangeboten erweitert wird.

MEIN RADIO

Was dabei wirklich spannend für mich ist – FluxFM hat bei mir radioeins den Rang abgelaufen. radioeins gehört zum öffentlich-rechtlichen RBB. Ich bin Radiojunkie und habe im Durchschnitt über die Woche vier verschiedene Radiosender sehr konkret gehört wegen einzelner Programmpunkte. Dabei war radioeins mein Stammsender. Doch leider wurde der gesamte Habitus des Senders immer älter und konservativer. Insbesondere im wunderbar hohen Wortanteil kamen jüngere Stimmen und Themen gar nicht mehr zur Geltung. Mit 42 fühlte ich mich nicht mehr aufgehoben – bei einem Sender, den ich seit seiner Gründung 1997 sehr gern und intensiv gehört habe. Gleichzeitig muss man aber sagen: radioeins ist noch immer ein feiner Sender, nur eben doch älter als ich mich fühle.

10 Geschäftsideen, die dich 2019 reich machen

29. Dezember 2018 - von - Jens  - 

Das Internet ist 2018 noch immer ein Neuland – zumindest für einige Menschen. Für mich ist das Internet immer wieder Inspirationsquelle. Da ist die BILD-Zeitung, die mich immer wieder dazu inspiriert, ihre Startseite nicht mehr zu besuchen. Da ist DonAlfons, der mich immer wieder traurig macht mit seiner Häme. Und da sind die vielen tollen Menschen, die einem mit grandiosen Geschäftsideen das Geldverdienen leichter machen wollen.

Als kleines nachträgliches Weihnachtsgeschenk möchte auch ich dich als LeserIn inspirieren. Ich mache es mir dabei so einfach wie JournalistInnen auf Twitter und hau hier eine Liste raus mit Tweets voller einfacher und hervorragender Geschäftsideen.

Ich als Internetexperte habe die Liste kuratiert und bei einem Weihnachtspunsch mit Schuss die Machbarkeit jeder einzelnen Idee geprüft.

Jetzt steht also einer großen UnternehmerInnen-Karriere nichts mehr im Weg. Werde auch du EntrepreneurIn, schreibe dir endlich „Founder“ auf deine nächste Visitenkarte und punkte mit absoluter Exzellenz bei der „Die Hölle der Löwen“.

Und schon geht es los:

1. E-Commerce in der hochspannenden Pseudowissenschaftsnische: Geschäftsidee fürs neue Jahr: Online-Shop für Meteoritenhelme und Aluhüte. (@kainoeske)

2. Wenn es mit der Karriere als Fashion-Influencer bisher nicht so klappte: Ich würde ein t-Shirt Sommelier für den #35C3 vorschlagen als Geschäftsidee. Hier haben wir ein gut abgelagertes Camp Shirt aus den 90ern oder doch eher der 1995er hoodie ? (@SvenUckermann)

3. Eher was Therapeutisches vielleicht? Geschäftsidee: Puzzle von einem typischen Bielefelder Himmel (@bateman)

4. Für Technikfreaks mit Retrotatsch: Geschäftsidee: Altmodische Staubsauger instandsetzen und wieder verkaufen. Marke Dinosaugier. (@schwarzbaerin)

5. Für das schnelle Geld zwischendurch: Für die guten Vorsätze 2019 -Geschäftsidee: 1 Tages Kurs im Fitness-Studio mit 12 Fotos an den Geräten in 12 verschiedenen Outfits. So kann man immerhin die ersten 12 Wochen mit „ich mache nun Sport“ Fotos überbrücken… (@Jens1979)

6. Systemgastronomie: Geschäftsidee: Reste vom Weihnachtsessen (z.b. Karnickel, Rotkraut, Klöße) in Fladenbrot wie ein Döner. Feiertagsessen to go. (@piefke_96)

7. Der Cannabis-Markt soll ja das nächste große Ding werden: Ich habe für 2019 eine Geschäftsidee. Ich werde die Köttel meiner Meerschweinchen, zu handlichem 1,5g Hasch formen und für nen 10er verticken. Ich trage dann auch so eine fancy Bauchtasche. (@gaumen_freude)

8. Das zeitlich begrenzte Angebot – künstliche Verknappung: Geschäftsidee: Die eigenen Eltern zu Heilig Abend als Heinz-Becker-hautnah-Erlebnis anbieten. (@Micha_am_Main)

9. Für alle angehenden SchmuckdesignerInnen: Geschäftsidee: Amulette, die vor Aberglauben schützen. (@mikenolte_de)

10. Oder eher was musikalisches? Neue Geschäftsidee: Premium-Warteschleifenmusik gegen Aufpreis. Tschö mit ö ihr loser, ich werde jetzt reich! (@FidelZastro)

Ich wünsche dir maximale Erfolge und freue mich, wenn ich dich mit meiner sorgfältig aufbereiteten Liste inspirieren konnte.