Wenn sie kein Brot haben, sollen sie doch Kuchen essen

April 24th, 2016 - 

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Discounterangebote der etwas anderen Art. Wenn das Wochenbudget für Lebensmittel knapp ist und nicht für den normalen Einkauf reicht, gibt es halt für die Familie nur Champagner und Kirschtomaten. Auch wenn Marie-Antoinette das mit dem Kuchen wohl nie so gesagt hat.

Rätsel

August 27th, 2015 - 

Was oder wer bin ich? Ich komme aus einer Gegend, die wirtschaftlich nicht so den rosigsten Ruf hat. Manchmal sagen Leute, ich hätte meine Kindheit in einer Diktatur verbracht. Viele reagieren oft noch mit Vorurteilen über Menschen, die dort wohnen (=Sozialschmarotzer, dumm, unakzeptable politische Einstellung, kriminell). Die meisten, mit denen ich dort aufgewachsen bin, sind inzwischen dort weg. Wegen besserer Berufsperspektiven und Lebensbedingungen anderswo.

Ich besitze einen Ausländerausweis und eine befristete Arbeitserlaubnis. Ein Immigrant bin ich aber nicht, auch kein Asylant. Ich habe keinen unbefristeten Arbeitsvertrag, sondern arbeite mal hier mal da und ziehe oft um. Projektmanagement heisst sowas heute, Mobilität im Zeitalter der Globalisierung ist wichtig, sagen sie. Ein Wanderarbeiter bin ich aber nicht. Oft arbeite ich sogar in anderen Ländern, weil es den Horizont erweitert und ich dort oft auch besser bezahlt werde. Karrieremachen nennt man das. Ein Wirtschaftsflüchtling bin ich aber nicht. Manchmal finden mich die Einheimischen doof, weil ich ihnen angeblich den Arbeitsplatz oder die Wohnung wegnehme, zur Gentrifizierung beitrage, ihre Sprache nicht richtig beherrsche und mich nicht hundertprozentig anpassen kann und möchte. Ein Gastarbeiter bin ich aber nicht. Auch wenn ich nicht immer so willkommen bin, schmeisst mir niemand Brandbomben vor die Haustür, beschmiert meine Strasse oder droht mir Gewalt an. Wieso eigentlich nicht?

Ein Schelm wer denkt, es könnte etwas mit meiner Hautfarbe und dem Herkunftsland des Reisepasses zu tun haben?

Die richtige Antwort auf das Rätsel lautet:

A) Ich bin ein Flüchtling.

B) Ich bin von Beruf Medien-/Eventfuzzi. Zu DDR-Zeiten in einem der grössten deutschen Plattenbaugebiete Deutschlands gross geworden. Arbeite momentan im nicht-europäischen Ausland. Aka ich bin ein Expat.

C) Ich bin von Beruf Sohn/Tochter eines Diktators und lasse es mir woanders in einer hübschen Demokratie gut gehen.

PS: Das war jetzt sehr überzogen, undifferenzierte Begriffswahl und polemisch, dessen bin ich mir bewusst. Allerdings kann man bei einigen Nachrichten aus Deutschland und Europa, Kommentaren im Netz und Aktionen auf der Strasse schon beinahe nicht einmal mehr K***en.

Klischeebedienung

Februar 1st, 2012 - 

Beim Thema Schweiz fallen den meisten Leuten sofort Geld, Alpenpanorama, Schokolade und Käse ein. Der Durchschnittsbürger sieht auf jeden Fall wohlsituierter aus als ich es aus der deutschen Hauptstadt gewohnt bin und auch das Kästchen für die anderen drei Klischees kann ich als „gesehen und abgehakt“ betrachten.

Was mir momentan am meisten aus Berlin fehlt:

– Eine eigene Waschmaschine, mit der man Wäsche waschen kann wann immer man Lust hat, anstelle eines vierzehntägigen Waschkellerplanes.

– Spätis!!!! Oder überhaupt Läden und Supermärkte, die noch nach 18 Uhr geöffnet haben (Toll, wenn man erst um die Zeit Feierabend hat)

– Irgendwelche Formen von Subkultur. Ich hätte gern einen Hipster als Haustier und hätte letztens fast einen Punk umarmt, nur dafür, dass er da war.

– Bockwurst mit Schrippe für 0,99 Cent auf die Hand. Bei den Preisen hier jammern sogar Kollegen aus London und Paris. Wer kann, geht jenseits der Grenzen einkaufen. (Merke: Geiz ist eine Eigenschaft die parallel zum Einkommen wächst.)

– Die S- & U-Bahn! Mit all ihren merkwürdigen Gestalten. Wahrscheinlich bin ich damit alein. Das Vorhandensein der einzigen U-Bahn in der kompletten Schweiz war einer der ausschlaggebenden Gründe, in die Stadt zu ziehen, in der ich mich momentan befinde. Und ein Blick auf den Konzertkalender. Roxette im Genfer Stadion oder die Beatsteaks in einer kleinen Kaschemme? 1:0 für die Beatsteaks.

Ich weiss, ich bin einfach eine verwöhnte Grossstadtgöre und auch in deutschen Kleinstädten sieht es nicht anders aus. Berlin ist letztendlich auch etwas piefig und provinziell. Na und?! Dann kommt und haut mich doch.