Der neue Luxus – ein Leben ohne Tracking

27. Mai 2015 - von - Jens  - 

Mit dem Internet kam und kommt viel Neues. Das ist ein Phrase, die nicht neu ist. Nicht neu ist auch, dass dieses Internet sehr viel für die Vernetzung der Menschen tun kann. Desktop-Computer vernetzten Computer. Laptops, Smartphones und Tablets vernetzten zusätzlich die Menschen und inzwischen vernetzen verschiedensten Chips Menschen, Uhren und Maschinen.

Auch Autos sind nun vernetzt bzw. werden immer mehr vernetzt. So können Fahrzeugdaten helfen, den Verkehrsfluß zu verbessern. Oder die BesitzerInnen erfahren rechtzeitig, wenn Bauteile in ihrem Fahrzeug ausgetauscht werden sollten und wo die passende Werkstatt zum guten Preis und mit schneller Problemlösung zu finden ist. Und diese zwei Beispiele sind nur der Anfang.

Generell werden Maschinen in naher Zukunft immer enger zusammenrücken und somit effizienter, schneller und präziser arbeiten können. Uhren und Fitnessbänder tracken die Vitalwerte von Menschen und erstellen Bewegungsprofile mithilfe von ziemlich ausgeklügelten Apps.

Doch wer braucht all diese Daten? Neben den Menschen selbst, sind diese Daten das „neue Gold“ im Zeitalter des Internets der Dinge. So nennt man die oben beschriebenen Szenarien. Dinge, also Maschinen und Produkte werden über das Internet mobil oder per Wlan vernetzt. Diese Vernetzung macht das Sammeln von Daten „einfach“. Wenn man über die großen Datenmengen dann verfügt, kann man daraus Rückschlüsse ziehen.

Diese Rückschlüsse ergeben – im besten Fall – neue Geschäftsmodelle. Und da sind wir dann auch schon beim Thema Luxus. Zwei erste Beispiel illustrieren, wie Tracking zu günstigeren Versicherungstarifen führt ODER umgekehrt: Wie das Verzichten von Tracking keine Ersparnis bringt.

Der Autoversicherer Huk-Coburg testet gerade sogenannte Telematik-Tarife (Quelle >>). Dabei sollen Fahrzeugdaten, die permanent dafür aus den Sensoren der Fahrzeuge ausgelesen werden, für die Analyse des Fahrverhaltens ausgewertet werden. Wenn der Versicherungsalgorithmus grünes Licht gibt, die Fahrzeugdaten also auf positives Fahrverhalten schließen lassen, sollen den Versicherten Boni eingeräumt werden.

Der Versicherungskonzern Generali bietet ersten Versicherten an, dass sie mithilfe einer App ihren Lebenstil dokumentieren und die anfallenden Daten dem Versicherer zur Verfügung stellen (Quelle >>). Im ersten Schritt erhalten die Nutzer der App kleine Vorteile, wie Rabatte und Gutscheine. Im nächsten Schritt sollen dann die Versicherungstarife für diese Personen günstiger werden.

Zur Zeit arbeiten in der Versicherungsbranche zahlreiche Player an Versicherungstarifen auf der Basis großer Datensätze (Big Data). Mit dem Voranschreiten der Vernetzung werden somit immer mehr Daten anfallen, die immer feinere und genauere Interpretationen auf das Verhalten von Menschen zulassen. Die Interpretationen führen zwangsläufig zu Sanktionierung. So wie oben beschrieben. Denn wenn ich meine Daten nicht zur Verfügung stelle, bekomme ich auch keine Vergünstigungen oder Goodies.

Das muss ich mir auf Dauer dann leisten können – oder eben wirklich wollen. Will ich einen Großteil meiner Daten „behalten“, muss ich also im ersten Schritt auf Vorteile verzichten. Wenn ich dem Tracken meiner Daten entsage, kann es also in der Zukunft teurer für mich werden – im Verhältnis zu den Menschen, die Unternehmen ihre Daten überlassen.

Es wird somit zum Luxus, die eigenen Daten nicht an Dritte zu geben. Eventuell ist es aber genau der Luxus, den ich vielleicht in Zukunft möchte: Ein Leben ohne die andauernde Überwachung meines Verhaltens und meiner Vitalwerte.

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