Bushido-Bashing – Wo bleibt die Contenance?! Wo bleibt die Toleranz? Warum das alles?

12. Februar 2010 - von - Jens  - 
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Dieser Beitrag entstand ursprünglich als Kommentar zu dem Blogpost “How to entfollow …” von “Creezy”. In ihrem Beitrag schreibt sie über Bushido. In der Rap-Sprache würde man ihren Beitrag als einen Diss bezeichnen. Weil mir dieses “Bushido-Dissen” seit einigen Wochen quer durch Medienlandschaft begegnet und ebenfalls im eigenen Freundeskreis, habe ich Creezys Post kommentiert und ebenfalls Antwort erhalten.

Den kompletten Beitrag von Creezy samt der kurzen Diskussion findet man dort >>

Ein Satz der Bloggerin hat dann bei mir einen ganzen Schwall von Fragen aufgeworfen. Ich zitiere diesen Satz hier und setze dann mit meiner Antwort direkt an, die u.a. aus vielen Fragen besteht.

“… Insbesondere dann, wenn sie öffentlich meinen, so arme Häschen zu sein, weil Papa dasselbe mit ihnen gemacht hat. …”

Ich hatte bisher nicht das Gefühl, dass sich Bushido als armes Häschen dargestellt hat. Er hat in seinen Tracks Geschichten erzählt, damit wurde er erfolgreich. Viele dieser Stories sind sicherlich überspitzt, eine stets angewandte Technik fast aller Künste. Im Film, im Theater, im Buch oder im Song werden Geschichten erzählt, die meist weit über dem Alltäglichen liegen, die Ereignisse komprimiert darstellen oder Ereignisse ausmalen, ausschmücken, übertreiben.

Dies hat auch Bushido gemacht, von Beginn an, lange bevor er erfolgreich wurde. Durch die Art, wie er Geschichten erzählt hat, in seinen Texten, wie auch in seinem Gesamtkunstwerk der Darstellung der Kunstfigur “Bushido”, wurde er erfolgreich.

Und was passiert fast allen KünstlerInnen, die Erfolg haben? Ihnen wird, besonders von den MedienmacherInnen, eine Verantwortung gegenüber der Gesellschaft zugeschrieben. Hier stellen sich für mich die ersten Fragen: Warum sollen KünstlerInnen gegenüber der Gesellschaft eine Verantwortung übernehmen müssen? Welche Form von Verantwortung sollen sie übernehmen? Wie kommt es, dass sich besonders MedienmacherInnen dazu berufen fühlen, den KünstlerInnen Verantwortung abzuverlangen? Sehen die KonsumentInnen, insbesondere die die Popmusik konsumieren, die KünstlerInnen ebenfalls in der Pflicht, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen?

Doch zurück zu Bushido. Die Inhalte seiner Texte, der Inhalt seiner Biografie, der Inhalt seines Filmes – all das zeigt für mich die einfache Herkunft dieses Mannes. Er versteckt sie nicht. Er inszeniert sie, so wie alle anderen KünstlerInnen ihr Umfeld, ihr Leben, ihre Vergangenheit ebenfalls benutzen um daraus für ihre Inszenierungen zu schöpfen.

Und er bricht Tabus. Die Motivation hinter diesen Brüchen, die ist sicherlich nicht immer erkennbar. Diese Erkenntnis hatte ich allerdings auch schon bei Werken von bildenden KünstlerInnen oder Komponisten.

Eine brennende Frage habe ich noch in Bezug auf das bornierte Bushido-Bashing durch die MedienmacherInnen: Haben eure Eltern nicht ähnlich abwertend über die Texte und die Musik eurer Idole geurteilt? Heute wird z.B. Punk häufig glorifiziert als Systemkritik, als Zeitgeist einer Jugend, die als Kinder der Kriegskinder-Generation geboren wurden. Etwas nüchterner betrachtet, könnte man Punk auch als den Krach einer Jugend verstehen, die auf die Bühnen ging und nicht mal drei Akkorde konnte. PunkmusikerInnen beherrschten selten ihre Instrumente bzw. ihre Stimmen. Haben sie vielleicht deshalb oft in die Mikrofone geschrien? Haben sie vielleicht deshalb gesagt, dass ihr Krach genau so sein muss?

Hier komme ich zu einer, für mich interessanten Frage, bevor ich den Ball gern wieder an Creezy oder gern auch andere BloggerInnen zurückspielen möchte: Ist Bushido vielleicht, ohne es selbst zu wissen, die Systemkritik einer Generation von Jugendlichen, die in einem der reichsten Länder der Welt in recht (bildungs-)armen Verhältnissen groß wird?

Ich habe mich entschieden, diesen langen Kommentar auf pixlpop.de zu veröffentlichen, denn ich spielte bereits seit einer Woche mit dem Gedanke hier über dieses Thema einen Beitrag zu veröffentlichen.

An dieser Stelle möchte ich gern die Diskussion wieder an “CREEZY” von holyfruitsalad.blogspot.com zurückspielen. Ich würde mich über eine Art Blog-Ping-Pong-Posting freuen.

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