MAUS – eine Holocaust-Graphic-Novel von Art Spiegelman

Juli 2nd, 2015 - 

Dieses Buch hat mich platt gemacht. Es erzählt die Geschichte von Wladek und Anja Spiegelman, den Eltern von Arthur, die als polnische Juden einmal komplett den Holocaust erleben mussten und ihn überlebten. Spiegelman erzählt die dramatische Geschichte im Stile mehrerer Interviewsessions mit seinem Vater. Während der Vater den Völkermord anhand seiner einzelnen bzw. eigenen Stationen in Ghettos, Lagern und schließlich Auschwitz und Dachau erzählt, schafft es Spiegelman auch die Folgen für die Überlebenden im Buch zu illustrieren.

Natürlich halte ich mich für einen aufgeklärten und wissenden Menschen. In MAUS erfährt man auch nicht unbedingt Neues. Aber man nimmt eine neue Perspektive ein, die viel eindringlicher ist, als ein Lehrbuch oder eine Dokumentation über den Holocaust. Es ist der dicke Kloß im Hals, der entsteht, wenn man die einzelnen wahnsinnigen Stationen von Wladek und Anja Spiegelman erschließt. Ich verstehe dadurch noch viel mehr, warum so viele jüdische BürgerInnen nicht frühzeitig vor den Nazis geflohen sind. Es war ein schleichender Prozess. Und das macht das Buch so unfassbar gut deutlich. Ich habe gelesen und wusste, welches Unglück auf die Menschen zukommen würde. Klar, denn ich weiß um die Geschichte. Diese unschuldigen Kinder, Frauen, Männer wussten es nicht und konnten es sich nicht vorstellen – natürlich nicht!

Infos zur Graphic Novel:

Paperback, die Illustrationen sind durchgängig in schwarz-weiß. Das Buch ist erschienen im Fischer Taschenbuch Verlag (Frankfurt am Main), kostet 14,95 Euro und umfasst 300 Seiten.

Weiterführende Links zum Buch:

„MetaMaus“ – das Buch über das Comic – spiegel.de >>
Die deutsche Wikipedia-Seite zum Autor Art Spiegelmann >>
Die wichtige Rolle seiner Frau Françoise Mouly in der Comic-Szene – englische Wikipedia-Seite >>

Im Westen nichts Neues – Graphic Novel nach Erich Maria Remarque

Juni 25th, 2015 - 

Ich bin ja noch etwas unbeleckt in Bezug auf Comics für Erwachsene bzw. Graphic Novels. Ich habe vor „Im Westen nichts Neues“ erst drei Bücher dieser Art gelesen. Um so mehr bin ich beeindruckt von der Bildgewaltigkeit dieser Adaption. Gaby von Borstel hat Remarques Textvorlage bearbeitet und Peter Eickmeyer mit diesem Buch seine erste Graphic Novel illustriert. Für mich persönlich ist es ein gelungenes Werk. Allerdings muss ich hinzufügen, dass ich das Original bisher nicht gelesen habe. Mit dem Eindruck dieses Buches werde ich es sicherlich bei Gelegenheit nachholen.

Im Unterschied zu den bisher von mir gelesenen Graphic Novels, hat Eickmeyer tatsächlich gemalt – offenbar mit Öl und Tinte. Es sind fesselnde Eindrücke eines barbarischen ersten Weltkriegs an der Westfront entstanden. Remarque schildert in seinem Text die Kriegserlebnisse des deutschen Soldaten Paul Bäumer in starken Worten. Eickmeyer greift sie auf und projiziert sie mal in schemenhaften Übersichten, mal in sehr detaillierten Einzelbildern.

Insgesamt kommt das Hardcover wenig comic-haft daher. Bilder und Texte werden nicht in klassischen Panels erzählt. Der Text ist im Wesentlichen jeweils als Block in Bilder eingebunden. Einzelne Szenen werden mit einem Panel oder einem kurzen Strip illustriert.

Aufgrund des historischen Bezugs und der Adaption finden sich am Schluss des Buches noch Informationen zur Geschichte des Originaltextes und zu Erich Maria Remarque. Unter Umständen hilft es, wenn man diesen Teil vorab liest, um so das Comic mit einem etwas bewanderteren Blick zu lesen.

Fazit: Die Form folgt dem Text und der Funktion. Für mich ein recht großartiges Werk.

Infos zur Graphic Novel:

Das Buch ist hochwertig gearbeitet und schwer. Die Illustrationen sind durchgängig farbig.
Es ist erschienen im Splitter-Verlag (Bielefeld) am 1. Juni 2014. Das Hardcover kostet 22,80 Euro und hat 176 Seiten.

Weiterführende Links zum Buch:

Buch des Monats der NDR-Kulturredaktionen >>
Hintergründe zur Entstehung des Buches auf welt.de >>
Der Blog zum Buch von Peter Eickmeyer >>

Kinderland – Das Comic über eine DDR-Kindheit von Mawil

Juni 23rd, 2015 - 

  
Pioniere, chinesisch Tischtennis spielen und rübermachen – das sind die wirklich wichtigen Themen von Mirco Watzke 1989 in Ostberlin. Der Comic-Artist Mawil scheint mir hier komplett die letzten Tage seiner Ostberliner Kindheit aufs Papier gebracht zu haben. Und ich liebe diese Geschichte, denn sie katapultiert mich zurück genau in diese Zeit.
Mawil lässt Mirco quer durch den wichtigen Kinderkosmos stapfen: Busfahren, Schule, Schulhof, doofe Große, Wolf- und Hase-Telespiel und Klassenfahrt. Ganz nebenbei kommen noch so Themen hinzu, wie Kirche – ein eher seltenes Thema in meiner DDR-Kindheit. Und natürlich Eltern und Pionierleiterinnen. Hach. Ich kann gar nicht genug schwärmen und habe mich neulich in der Teilöffentlichkeit Facebook sogar zu folgender Aufforderung hinreißen lassen: FilmermacherInnen sollten sich dringend die Filmrechte an „Kinderland“ sichern und den besten Kinderfilm über die Kindheit in der DDR daraus machen.

Ich habe für mich in diesem Buch unzählige Kleinigkeiten wiederentdeckt, die 26 Jahre nach der Wende in meinen Erinnerungen längst verschütt gegangen waren. Das dämliche Honecker-Bild an der Wand fast jeden Klassenzimmers. Die Schlenkibusse. Oder auch die chinesische Softkelle, die nur echt war mit dem Ruf „Einschmatz!“ Ich selbst hatte meine supercoole Tischtenniskelle damals mit polnischen Pionieren im Ferienlager im Erzgebirge getauscht – gegen sehr viel Ostgeld!

  
Ich habe das Buch zu meinem 38. Geburtstag geschenkt bekommen, mit einer ganz ganz tollen Überraschung: Meiner eigenen Comic-Figur, gezeichnet von Mawil. Ich danke dafür ganz herzlich und noch immer den „Großen Köpfen„!

PS: Beste Nebenfigur im Comic ist Angela Werkel!

Infos zum Comic:

Das Comic ist ein sehr dickes Paperback, komplett farbig illustriert. In Deutschland ist es erschienen im Verlag Reprodukt (Berlin) am 1. Mai 2014. Die 296 Seiten kosten 29 Euro und sind jeden Cent wert.

Weiterführende Links zum Buch:

Buchbesprechung von Michael Brake auf zeit.de >>
2-Minuten-43 über Mawil und das Buch bei Arte >>
Webseite des Berliner Comic-Künstlers Mawil >>