Apple und das Thema Innovation – Ein kurzer Rant auf WirtschaftsjournalistInnen

Juni 3rd, 2014 - 

Wie lautet die Mission der JournalistInnen für den heutigen Tag? Richtig, Apple die Innovationskraft absprechen, ohne auch nur über die vorgestellte Software zu schreiben. Dieser hier verlinkte Artikel ist nur ein Beispiel.

wiwo.de: Apple präsentiert neue Software – und enttäuscht

In Bezug darauf ihren LeserInnen die größeren Zusammenhänge zu erklären, scheitert die große Zahl der JournalistInnen bei großen Wirtschaftsmedien immer wieder – in meinen Augen. Apple transformiert seit Jahren seine Ausrichtung von einem Hardware-Anbieter hin zu einem Content- und Softwareanbieter und macht dabei trotzdem noch massive Gewinne. Natürlich macht er seine Gewinne noch mit Hardware. Aber warum sich der Laden so drastisch verändert, wird selten bis gar nicht erklärt.

Und das gleiche Problem finde ich immer wieder. Der brachiale Umbau von Axel Springer samt dem Verkauf der „alten Postillen“ an die Funke-Gruppe wurde in den meisten Fällen nur auf einer lächerlich moralisch-emotionalen Ebene verhandelt. Die wirtschaftlichen Notwendigkeiten wurden kaum erkannt bzw. erörtert. Warum der Umbau passiert, wurde häufig nicht mal erfragt.

Wenn ich mir dann noch die Berichterstattung über Start-Ups anschaue, dann wird mir regelmäßig schlecht. Entweder wird irgend eine kleine Bude maßlos gehypt – gerne wenn Hollywood-Promis investiert haben – oder es wird radikal plattgeschrieben, was die RedakteurInnen offenbar gar nicht erst verstanden haben. Sinnvolle Einordnung, sachliche Erklärungen oder gar kritisches Hinterfragen – Fehlanzeige. Simplifizierung und das Arbeiten mit abgehangenen Floskeln, das ist der übliche Umgang mit dem Thema Start-Ups. Welche Auswirkungen die meist disruptiven Ideen und Technologien der Start-Ups auf die LeserInnen haben werden, kommen meist gar nichtvzur Sproche oder erlangen nur in heraufbeschworenen Untergangsszenarien zweifelhafte Prominenz.

Liebe WirtschaftsjournalistInnen, wenn ihr keine Ahnung habt, dann lest halt Fachblogs von Profis, die euch im besten Fall sogar mit Expertise unterstützen können. Holt euch die Leute an Bord, die spezifischer über Themen schreiben und sprechen können, als ihr. Ihr müsst nicht alles wissen und deuten, ihr müsst euren NutzerInnen nur die besten Informationen liefern. Lasst die lächerlich belanglosen Verallgemeinerungen weg, kümmert euch um die Tiefe, die ihr alle so als Qualitätsjournalismus beschrieben wissen wollt. Bitte!

Meine Antwort auf den Kommentar von @branleb zu meinem Rant

August 20th, 2012 - 

Hallo Florian, hallo Paul, liebe mitdiskutierende PiratInnen,

hier kommt meine Antwort auf Florians Kommentar unter meinem „Rant„.

Sie kommt etwas später, da ich tagsüber arbeite und abends auch ein Familienleben habe, wie sicher viele von euch auch.

Kommen wir gleich zur Sache, es wird ja eh länger werden. ;-)

1. Du wirfst mir vor, ich wolle euch diskreditieren. Klare Stellungnahme meinerseits: Nein, das will ich nicht. Ich nenne es wachrütteln, weil mir euer Text wieder mal symptomatisch gezeigt hat, was mich seit dem Herbst 2011 immer wieder ärgert. Die oft unfassbar derbe und bitter persönliche Ebene in vielen Diskussionsbeiträgen von PiratInnen.

Ich habe in meiner Überschrift sehr bewusst das Wort „Rant“ verwendet um mir die Freiheit der Polemik zu lassen. Warum wollte ich diesen Freiraum haben? Weil ich exemplarisch aufzeigen wollte, in welchem Ton in euren Reihen viel zu oft kommuniziert wird. Deshalb habe ich meine Worte eben auch provokant gewählt, wenn ihr so wollt: Ich habe einen Spiegel genutzt. Ich habe so geschrieben, wie ich es in den vergangenen Monaten auf Twitter, in Medien und auf Blogs gelesen habe – allermeist Texte von PiratInnen.

Und um das mal auf den Punkt zu bringen: Diese Art der Auseinandersetzung ist kindisch, oft kleingeistig und geht mir als Wähler unfassbar derbe auf den Kranz! [Das musste mal gesagt – äh – geschrieben werden. ;-)]

2. Deine Punkte 1 bis 5 im Kommentar kann ich unkommentiert so stehen lassen, da sie für mich eine sinnvolle Stellungnahme darstellen. Euer Text liest sich inTeilen allerdings anders, sind aber womöglich gar nicht so gemeint.

An dieser Stelle will ich euch verdeutlichen, was mir so aufgestoßen hat und warum ich einen Teil eurer Intention als Neid und Missgunst auffasste. Es folgen hier drei Zitate aus eurem Text und anschließend jeweils meine kurze Einschätzung dazu.

Ich für meinen Teil kann also ganz klar von Unterstellungen sprechen, die direkt auf Johannes Ponader abzielten.

„Sehr bedenklich stimmt es uns auch, dass hier die eigene Position genutzt wird um persönliche Privilegien zu etablieren.“

>Dies ist in der Tat ein klare Unterstellung. Wo findet sich die Quelle, die nachvollziehend verdeutlicht, dass Johannes Ponader seine Position nutzt, um persönliche Privilegien zu etablieren?

„Statt dies zu tun, nutzt Johannes seine Position und seinen Bekanntheitsgrad als politischer Geschäftsführer der Piratenpartei aus, um an der Partei vorbei und mittelfristig auf deren Kosten dieses “BGE-Projekt” durchzuziehen.“

> Dies ebenfalls eine ganz klare Unterstellung. Ihr stellt Behauptungen auf, die eine einzelne Person massiv angreifen, bringt aber keine ausführlichen Belege für eure Formulierung.

„Das Ausnutzen seiner exponierten Position in dieser Art und Weise ist aber nicht hinnehmbar.“

>Und aller schlechten Dinge sind halt Drei. Auch dies ist eine Behauptung, die als klare Unterstellung zu werten ist. Ihr habt im Zweifel das Gefühl (so verstehe ich diesen Satz), dass Ponader etwas ausnutzen könnte, eure Schreibe belegt eure Vermutung aber durch keine stichhaltige Argumentation, sondern formuliert eine einfache Unterstellung. Ergo: Euer Text enthält (neben einer Menge anständiger Ideen) eben genau drei fiese Behauptungen und eure Überschrift „Das untragbare Verhalten des Johannes Ponader“ ist ja auch nicht ohne Bedacht von euch genau so gewählt worden. Ihr wolltet Öffentlichkeit erzielen, vermutlich sogar eine Kritik transportieren (was euch natürlich zusteht) und habt es vielleicht auch geschafft, allerdings müsst ihr dann auch mit Feedback und kritischen Gegenmeinungen leben. Und genau eine dieser Kritiken habe ich absichtlich überspitzt formuliert.

Ich persönlich kenne Johannes Ponader nicht, habe seine Wahl zum politischen Geschäftsführer nur in den Medien verfolgt, so wie ich viele Personalien, inhaltliche Diskussionen der PiratInnen verfolgt habe. Insofern muss ich hier keine Verteidigung für Herrn Ponader übernehmen, dass kann er im Zweifel selbst.

Was mir aber positiv heute aufgefallen ist, die winzige Feedbackwelle auf Twitter blieb (entgegen meinen Erwartungen) doch überwiegend sachlich.

Insofern herzlichen Dank für die kleine mediale Aufmerksamkeit – Piratenwähler @stoewhase

Mein Rant zum Beitrag von @Purple_p1rate und @branleb – oder: Meine Wünsche an @Piratenpartei

August 20th, 2012 - 

Meine Herren Florian Zumkeller-Quast und Paul Meyer-Dunker, liebe PiratInnen im Allgemeinen und Sonstigen,

eure Zeilen zu „Das untragbare Verhalten des Johannes Ponader“ zeigen mir leider sehr, dass Menschen wie Ihr einfach noch viel lernen müsst. Das ist euer gutes Recht, ihr seid offenbar jung und glaubt vielleicht sogar an das Gute. Allerdings scheinen mir euer eigener Neid und eure eigene Missgunst euch einen Strich durch eure „hocherwürdige“ Rechnung zu machen.

Ihr werft einem Mann vor, dass er öffentlichkeitswirksam auf Missstände aufmerksam macht? Anhand eines klaren Beispiels, nämlich seinem, hat er dargelegt, wie bitter die deutsche Bürokratie arbeitet. Lebt ihr noch von Mamis, Papis oder Staates Geldbörse oder warum kommt ihr auf die sinnfreie Idee, dass man für seine Arbeit als politischer Geschäftsführer keine anständige Vergütung erhalten sollte? Parteiarbeit ist immer ein Job, der die eigenen privaten Bedürfnisse in den Hintergrund rücken lässt. Ponader und viele andere PiratInnen, die die Arbeit der Partei vorantreiben, müssen von irgendeinem Einkommen leben können. Man kann darüber sicherlich diskutieren, wie viel Geld sie erhalten sollten, aber davor die Augen zu verschließen und sogar persönliche Bereicherung zu unterstellen, ist infam und kann ich nur als böswillig interpretieren.

An die PiratInnen im Allgemeinen und Sonstigen

Es macht traurig und wütend zu sehen, wie sich die Parteimitglieder permanent öffentlich zerfleischen, anstatt einfach gute Arbeit im Sinne der WählerInnen zu leisten. Wozu soll man für euch noch ein demokratisch wertvolles Kreuzchen setzen, wenn ihr permanent Kriege via Twitter, Blogs und Medien austragt, anstatt diese Medien für politische Diskurse zu nutzen?

Meine Wünsche als Wähler an die PiratInnen

Dieser Rant ist jetzt mal der passende Moment um meine Wünsche an die PiratInnen zu formulieren, denn immerhin soll hier auch noch etwas Konstruktives veröffentlicht werden.

1. Ich wünsche mir, dass die PiratInnen Twitter nicht als einen weiteren Chatraum begreifen, sondern als ein Massenmedium, welches jedoch nicht alle ihre WählerInnen nutzen.

2. Ich wünsche mir, dass die PiratInnen verstehen, dass sie das eine Prozent ihrer WählerInnen sind, die sich in Netzwerken öffentlich äußern und die 99 Prozent anderen Menschlein (aka ihre WählerInnen) vermutlich einen normalen Alltag jenseits des Netzes pflegen bzw. das Netz für persönliche Dinge nutzen und nicht nur für politische Anteilnahme.

3. Ich wünsche mir, dass die Piratenpartei ein Feedbacksystem für sich entwickelt, welches Fachdiskussionen zulässt, Kritik und persönliches Feedback aber ein Stück weit davon trennt. Mit System meine ich kein ausschließlich technisches, sondern eher eine Verhaltens- und Vorgehensweise, die es den politisch Verantwortlichen ermöglicht, sich auf die Arbeit zu konzentrieren und trotzdem eine gute Bindung an die Basis ermöglicht.

4. Ich wünsche mir, dass die PiratInnen verstehen: komplette Transparenz gibt es nicht. Es gibt vielleicht eine Selbstverpflichtung zur Offenheit, aber allein technisch würde die vollständige Transparenz zu mehr als nur Big-Brother-ähnlichen Zuständen führen und all den PolitikerInnen und LobbyistInnen Vorschub geben, die für eine vollständige Überwachung plädieren. Offenheit ist eine freiwillige und vermutlich nachhaltigere Version, als permanent eingeforderte Transparenz, die nicht zu schaffen ist und vor allem oft zu Missbrauch führen kann. Offenheit basiert auf ehrlichem Wollen und das sollte oberste Priorität haben.

5. Ich wünsche mir, dass die PiratInnen weiterhin so engagiert die bürgerlichen Freiheitsrechte als oberstes Gut einer Demokratie empfinden und bereit sind, diese Rechte zu schützen. Und ich wünsche mir für euch weiterhin Wahlerfolge, die eine gefestigte und zukunftsorientierte Arbeit möglich machen und viele Lerneffekte mitbringen.

PS: Und wenn jemand meint, ich müsse erst Pirat sein um zu kritisieren, dem stelle ich die einfache Frage: Muss ich rechts sein, um Rechte zu kritisieren?

So long – euer Wähler Jens @stoewhase