Mein erstes Mal: Die NewsApp Quartz im Test

Februar 24th, 2016 - 
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Seit Anfang Februar gibt es die News-App für das iPhone der amerikanischen Tech-News-Seite Quartz. Bisher hatte ich Quartz deshalb auf dem Schirm, weil die Webseite besonders modern und sexy aufgemacht war. Es gab von Beginn an ein sehr reduziertes Design und die MacherInnen waren früh dabei, neue Werbefirmate zu testen.

Nun teste ich seit einigen Tagen die App, die News im Messenger-Stil präsentiert. Faktisch ähnelt die Art der Präsentation einem WhatsApp-Interface. Nur eben mit einem automatischen Chatpartner (auch Bot genannt), der mich begrüßt und eine erste Nachricht präsentiert: Eine Schlagzeile reißt das Thema an und das System fragt mich, ob ich mehr dazu wissen möchte. Eine IF-THEN-ELSE-Schleife – das erinnerte mich an meine alten Skills der Basic-Programmierung von anno 1857.

Entscheide ich mich für „mehr“, liefert mir der Bot eine Zusammenfassung des Beitrags in mehreren Chatnachrichten. Entscheide ich mich dagegen, bekomme ich eine weitere Meldung vorgeschlagen.

EMOTIONALISIERUNG

Dabei simuliert die App das Schreiben der News, wie man es aus den Messenger-Apps von Facebook, WhatsApp oder iMessage kennt. Der Bot wird damit als interagierendes Individuum emuliert und die Nachricht subtil emotionalisiert. Mit wenigen Mitteln entsteht der Eindruck einer direkten Verbindung zu einer „Person“ – clever gemacht.

GAMIFICATION

Natürlich dürfen auch kleine Gamification-Elemente nicht fehlen. So stellt das Sytem auch eine Frage zur empfohlenen Meldung oder bietet ein Emoticon, um die Zustimmung des Nutzers zu bekommen. Interaktion in einfachster Art und Weise.

Räumt man der App die Freigabe ein, dass sie einen über Neuigkeiten informieren darf, hat sie mich bisher ca. drei Mal am Tag auf Themen hingewiesen – dezent und trotzdem mit einem knackigen Teaser, der Interesse weckt.

MACH MICH AUS!

Bei einem Test fand ich einen Punkt besonders interessant. Ich nutzte die App intensiv und forderte permanent weitere News an. Nach ca. fünf oder sieben Beiträgen kam die Info, dass ich nun alle Themen gelesen hätte und gern später noch mal vorbeischauen könne. Spannend: Eine App bzw. ein Medienprodukt empfiehlt das Ende der eigenen Nutzung. Das kannte ich bisher nur von Kika und Bernd das Brot. Oder von Peter Lustig – R.I.P.!

MONEY MONEY MONEY

Natürlich stellt sich wieder die Frage nach der möglichen Monetarisierung. Die ist schnell beantwortet: Bei mir tauchte gelegentlich die Werbung der Automarke Mini auf. Ein Fingertip auf das Bild führte mich dann jedoch raus aus der App – also ein klassisches Display-Ad-Format.

Abstrahiert man jedoch den oben beschriebenen Prozess des Nachrichtenkonsums auf das Anzeigenthema, wird schnell klar, welches Potenzial in der Art des Medienkonsums liegt. Man könnte innerhalb der Quartz-App die komplette Abwicklung eines Informations- und Kaufprozesses abwickeln. Das ist dann die konsequente Verbindung aus Werbung und Abverkauf. Oder um es anders zu sagen: Freunde mit Buzzword-Bingo-App können jetzt die Begriffe ‚Storytelling‘, ‚Content Marketing‘, ‚Native Advertising‘, ‚Conversion‘ und ‚Mobile Commerce‘ wegtippen. Abgehakt!

UND NUN?

Quartz ist ein spannender Versuch, die Mediennutzung dem Messengerzeitalter und der „Snackable News“ anzupassen. Alles funktioniert einfach, schnell und sorgt für einen konsequenten Fokus auf das Nutzen von Inhalten. Für Menschen, die noch mit gedruckten Zeitungen aufgewachsen sind, dürfte das oben beschriebene Szenario natürlich etwas fremd klingen. Ist es aber nicht. Eine solche mobile Anwendung wird nicht alle NutzerInnen überzeugen können. Quartz zeigt jedoch, wie man ein aktuell sehr übliches Kommunikationsverhalten, die intensive Nutzung von Messengern, für Medien adaptieren kann.

Denkt man das mal konsequent weiter, könnte Quartz das WhatsApp für News werden – also eine Plattform werden und nicht nur eine Medienmarke sein. Gleichzeitig könnte eine passende Schnittstelle bei den Messengern eine sinnvolle Ergänzung sein, um Quartz-Inhalte in WhatsApp-, iMessage- oder Facebook-Messengern zu konsumieren.
Am Backend dürfte Quartz Daten zum Nutzungsverhalten der LeserInnen sammeln und somit langfristig eine gute Basis für das Ausspielen von personalisierten News und Werbung aufbauen können. Entsprechende Buzzwords können sie nun in Ihrer Bingo-App ebenfalls abstreichen.

Schaut man sich die Möglichkeiten für die Contententwicklung an, bieten sich ebenfalls schöne Ideen an. Das System kann mit multimedialen Inhalten bespielt werden und die Chatfunktion bietet zusätzlich weitere Ideen für textbasierte Quiz-Spiele. Was ich persönlich ganz sexy finde.

UND DIE NEWS?

Thematisch ist das Spektrum breit. Bisher bot mir der Bot nur wenig harte Themen. Es waren eher techlastige Inhalte. Das passt zu Quartz, macht die App für mich aber bisher nicht zur Konkurrenz zu anderen News-Seiten, die ich sonst konsumiere. Allerdings addierte sie mir doch erste Erkenntnisse dazu. So wusste ich bisher nicht, dass der Film „War Game“ großen Einfluss auf die Cyber-Sicherheit amerikanischer Militärnetzwerke und Ronald Reagan hatte. Quartz präsentierte mir die Story der New York Times.

-> NACHTRAG

Als dieser Text bereits geschrieben war, nutzte ich die erneut. Es gab keine neuen News, ABER die App bot mir ein kleines Quiz an. Siehe Screenshots.

Was ich bisher nicht testen konnte: Quartz soll auch auf der Apple Watch funktionieren, die ich bisher jedoch nicht besitze.