Zehn kleine Akademiker

Oktober 16th, 2012 - 

Angeblich werden in Deutschland dauernd Akademiker knapp und Fachkräfte am liebsten angekettet, damit sie nicht “über die Grenze machen”. Heute live erlebt: Kollege, zweisprachig aufgewachsen, deutscher Pass, Abitur. Uni-Abschluss im Ausland. 4-5 Sprachen fliessend, vielleicht etwa zehn Jahre Berufserfahrung in internationalen Grossprojekten. Solides Managementlevel, Gehalt vermutlich 4-stellig im oberen Bereich im Monat.

Kommt nach jahrelanger Abwesenheit zurück in die deutsche Heimat und wird von der Arbeitsagentur als ungelernt mit Abitur eingestuft. “Vielleicht könnte man die Unterlagen ja zur Zentrale nach Bonn schicken, vielleicht wissen die ja, wohin mit Ihnen…” Und schwups, war die Fachkraft wieder über alle Berge, tschüss alte Heimat! Da waren es nur noch neun..

#Italotales No.1

September 24th, 2012 - 

Mittags in einer Bar, italienische Großstadt. Man spricht arabisch im Viertel, Frauen sind um diese Zeit in dieser Ecke eher Fehlanzeige, bis auf die beiden chinesischen Barbesitzerinnen, die im Akkord Espresso zaubern. Wie im Bienenstock kommen und gehen die Kaffeetrinker im Minutentakt, es klirren die Espressotassen hinter der Bar. Wo denn das Tellerchen zur Espressotasse sei, fragt ein Kunde. -“Tellerchen sind aus, wegen der Krise.”

Alle Menschen sind Ausländer, fast überall.

Januar 22nd, 2012 - 

Wer oder was bin ich? “Menschen, die für eine gewisse Zeit in der Fremde leben, aber ihrer Heimat verbunden bleiben, ihren Aufenthalt in dem fremden Land als befristet ansehen und sich seiner Kultur nicht assimilieren und auch keine fremde Staatsbürgerschaft anstreben,” sind laut Wikipedia? ….Na?

Gastarbeiter, Migranten, Einwanderer, Ausländer? Klingt negativ? Jetzt kommt es noch dicker. Ich habe einen Job, eine Wohnung, eine befristete Aufenthaltsgenehmigung, kaum Kontakt zu  Einheimischen und kann in der Landessprache nicht einmal einkaufen, Integrationswille eher mittelmässig. Wer jetzt an kopftuchtragende Großfamilienklischees auf Hartz 4 denkt, sei eines besseren belehrt. Auf chic-Deutsch heisst das nämlich Expatriat. Gleicher Inhalt, andere Verpackung.

Während Deutschland über Fachkräftemangel klagt (gleichzeitig mit Leuten wie mir aber nur wenig anfangen kann) und Einwanderungswellen aus den südlichen Eurokrisenländer erwartet (mein ganz persönliches Exemplar musste ich der umständehalber in Berlin lassen, ist das nicht schön schizophren?) setze ich mich zeitweilig etwas mehr nach Süden und Osten ab. Eben noch Berliner Prekariat, nun temporär ab in den Mittelschichtsspiessertraum und das corporate Hamsterrad.

Hiermit eröffne ich diese Kategorie, in die alles rein darf, was irgendwie im entferntesten mit Migration usw. zu tun hat und einfach kleine Blickwinkel auf die alltäglichen damit verbundenen Dinge wirft.

Und jetzt hätt ich gern eine Currywurst von einem prolligen Stehimbiss.

 

Kurzweil

September 19th, 2010 - 

Es muss im Kino nicht immer der Blockbuster mit Überlänge sein. Man kann eine tolle Idee auch in ein paar Minuten erzählen. Leider sieht man die Ergebnisse viel zu selten auf der grossen Leinwand. In Neukölln gab es heute einige Perlen mit Berlinbezug zu sehen. Was passiert, wenn der Späti zu ist, woher Köpenick seinen Namen hat, Mobbing im Fahrstuhl,  der Fernsehturm als Rakete, viele S-Bahnbilder, Free Runner  und ein Wurstüberfall sind bei mir hängen geblieben. Und irgendwie passend zur jetzigen Migrationsdebatte der Oscar-Gewinner von 1994. YouTube Preview Image

PS: Momentan läuft eine Aktion, um den Kurzfilm quasi wie bei Konzerten als Vorband des Kinofilms spielen zu lassen:) Wer mitmachen möchte, hier lang.