#krautreporter und warum ich noch nicht dabei bin

Mai 14th, 2014 - 

Die #Krautreporter wollen ein neues, nur durch LeserInnen finanziertes Onlinemagazin werden. Dafür suchen sie 15.000 AbonnentInnen, die via Crowdfunding 60 € bezahlen, um das Magazin ein Jahr lesen zu können. Das Magazin soll werbefrei bleiben und zusätzliche Geschichten sollen dauerhaft über weiteres Crowdfunding vorfinanziert werden. So weit die Theorie.

In der Praxis sollen es dann also 900.000 € werden, die bis zum 13. Juni 23:59:59 Uhr zusammen kommen müssen. Dies entspricht jeweils 60 € von 15.000 NeuabonnentInnen. Eine stolze Zahl. Doch wenn man das Medienecho und die ordentliche Zahl 2.305 Crowdfunder (Stand 14. Mai) liest und sieht, dann wirkt das gar nicht so utopisch. Insofern startet mit krautreporter.de vielleicht wirklich ein sehr interessantes deutsches Medienexperiment, das diese Branche braucht – erst recht, wenn es ein Erfolg werden sollte. Allen Beteiligten drücke ich an dieser Stelle die Daumen!

Warum ich noch nicht dabei bin, hat einen sehr pragmatischen Ansatz. Ich weiß nicht, was ich für meine 60 € bekomme. In dem oben eingebundenen Promo-Video wird nicht klar, was das überhaupt für ein Magazin werden soll. Ja, es wird online sein und man wird viele Rubriken haben, aber klar wird nicht, was ich zu erwarten habe. Das Video zeigt leider nur zahllose RedakteurInnen, die mehr oder weniger pathetisch ihren Text in die Kamera sprechen. Da wird kein Profil des Magazins transportiert, keine echte Message. Tatsächlich wird mir nicht klar: Soll es eher eine Art „Spiegel“ in digitaler Form werden oder eine andere „Zeit“ oder eher eine „FAZ“? Ich weiß es nicht. Und deshalb werde ich abwarten und Tee trinken. Vielleicht kommt ja noch ein weiteres Video, was die Inhalte etwas schärfer umreißt. Denn eines steht für mich fest: Ich gebe kein Geld, nur weil dort bestimmte Namen im Video bzw. der Redaktionsbesetzung auftauchen.

Gleichzeitig möchte ich nicht der Miesepeter sein. Denn offenbar gibt es doch ein größere Zahl von Menschen, die der Truppe den Vertrauensvorschuss einräumen. Deshalb kann ich nur betonen: Für mich sind die Infos noch zu dünne, aber trotzdem sollte man dem Projekt seine Aufmerkamkeit schenken, insbesondere als MedienmacherIn.

Warum das Projekt Krautreporter durch zu viel Kritik in einem zu frühen Stadium kaputt diskutiert werden kann, dazu hat sich Martin Weigert ein paar Gedanken gemacht >>.

Von der Ambivalenz des digitalen Hanswurst

August 1st, 2013 - 

Nein, es folgt nicht der Abgesang auf das Internet, dass eh noch Neuland ist, oder auf die Printwelt, die angeblich schon tot sein soll. Es folgt? Meinung.

In den vergangenen Tagen wurde viel debattiert über den Verkauf von Tageszeitungen und Magazinen des Axel Springer Verlages an die Funke-Gruppe. (u.a. dw.de >>) Da wurde der Untergang des Springer-Konzerns mit lautem Trallala besungen, JournalistInnen riefen ihre MitstreiterInnen zum gruppendynamischen Ausstieg aus dem Journalismus auf – mal lauter, mal leiser. Wieder andere Menschen bejubelten den voranschreitenden Sterbeprozess des gedruckten Schmuddelwortes aus dem Hause Springer.

Am Ende saßen alle Leute rund um das digitale Lagerfeuer und diskutierten durch ihre Blogbeiträge, Facebook-, GooglePlus- oder Twitter-Updates. Wie an so einem Feuerchen üblich, entstehen da Grüppchen, die eher dem Stammtisch-Niveau frönen, andere suchen eher den hochtheoretischen und zugleich tiefvergeistigten Diskurs über den Untergang der abendländischen Medienkultur und wollen die maximal negativsten Folgen schon ausgelotet wissen.

Und wo saß ich? In meinem Bürostuhl meines kleinen mitgegründeten Unternehmens, dass wir als einen digitalen Verlag beschreiben und auch verstanden wissen wollen. D-i-g-i-t-a-l-e-r V-e-r-l-a-g? Genau, das klingt paradox und zeigt allein schon deutlich, wo meine Ambivalenz zu finden ist. Ich bin der digitale Hanswurst, der seinen Weg vom Schüler zum Medienfuzzi, vom zu ängstlichen Graffitimaler, über den Schallplattendreher zum digitalen Arbeiter über gut 20 Jahre sehr konsequent gegangen ist und dabei immer beide Seiten geliebt hat – die analoge Papierwelt und Digitalien.

Vor diesem Hintergrund bekomme ich immer wieder Angst vor Schwindelanfällen, wenn ich die Diskussionen höre, in denen die apokalyptischen Bilder epischer Untergangszenarios an geistige Wände geworfen werden. Print werde sterben! Der gute Journalismus wird sterben! Die Qualität wird sterben! Ich glaube, ich sollte Friedhofsbesitzer werden oder wenigstens Bestatter, so wie der Soulsänger Solomon Burke. Es gibt da in naher Zukunft, laut Neuland-BewohnerInnen, offenbar sehr viel zu tun. Nur glaube ich da nicht an die Verheißungen der selbsternannten VerkünderInnen.

In meiner täglichen Arbeit bin ich also voll und ganz in digitalen Welten unterwegs und versorge Industrie-Profis mit Informationen, die sie für ihre tägliche Arbeit in irgendeiner Form gebrauchen können. Bei dieser Arbeit konnte ich immer wieder lernen, wie sehr ich in meiner digitalen Welt verhaftet bin und kaum noch merke, wie da draußen die Uhren in anderen Branchen ticken, jenseits des quietschbunten Medientellers. Stellt euch das mal vor: Dort wirkt PRINT noch! Dort kann man sehr gutes Geld mit Print verdienen. Dort lesen Menschen noch lange Texte auf totem Holz. Dort nehmen LeserInnen Anzeigen auch noch wahr und schließen dann >ACHTUNG< digitale Abos ab!!! Per FAX!!! ... Damit wäre der kurzfristige Beweis angetreten, dass es durchaus noch ein recht vitales Leben in der Welt des toten Holzes gibt. Um die Beweislast noch zu erhöhen, will ich kurz eine Beobachtung preisgeben, die ich an meiner Person gemacht habe. ICH kaufe tatsächlich immer wieder Magazine mit aufwendig bearbeiteten Papier und zu einem Preis, der manchmal schmerzt, weil er den Gegenwert eines Musikalbums erreicht hat. Aber ich kaufe sie, immer und immer wieder. Seit Jahren. Und ich kaufe KEINE Tageszeitungen, seit über 10 Jahren nicht mehr. Ich kaufe auch keine wöchentlichen Politik- oder Gesellschaftsmagazine. Ich kaufe Hefte zu hochspezialisierten Themen, wie aktuelle Kunst oder neue Technologien. Hefte, in denen ich komplexe Zusammenhänge erklärt bekomme und für die ich mir Zeit nehmen will und muss. Ich kaufe auch Bücher - gelegentlich - die besonders hochwertig sind, allein schon in ihrer Buchbinder- und Druckkunst bestechen. ICH KAUFE PRINT ... ABER? Ich kaufe keine Massenware mehr. Ich kaufe gedruckte Medien, die in relativ kleinen Auflagen produziert werden und besonders hochwertig verarbeitet wurden. Und da sehe ich die Entwicklung der gedruckten Worte hingehen, die mir als Papierfetischist das Herz höher schlagen lässt. Bücher, Magazine, vielleicht auch die Wochenzeitung werden überleben können. Im kleinen, feinen Rahmen und sie werden als Verlängerung digitaler Inhalte funktionieren können, als Sonderausgaben, als Luxuskarossen der Medien. Ich glaube fest daran, dass Print immer mehr zum Luxusartikel wird und damit auch eine positive Auswirkung auf Qualität mit sich bringen muss. Der Massenmarkt dürfte es dagegen schwer haben - zu schnell und zu einfach finden Menschen schon jetzt flüchtige und kurzlebige Informationen in den digitalen Welten. Dafür braucht es Print vermutlich wirklich nicht mehr. Arbeitsplätze werden auf der Strecke bleiben, vielleicht sogar sehr viele. Aber warum sollte eine Branche davor auch verschont bleiben? Das gab es immer und wird es wohl auch immer wieder geben. Kapitalismus ist so. Während ich selbst also mein Geld mit der digitalen Informationsverarbeitung und digitalem, schnellen Journalismus verdiene, gebe ich mein Geld aus für den entschleunigten, besonderen Wert des gedruckten Wortes und Bildes wieder aus. Schöner kann ich mir das Leben mit Wort und Bild kaum vorstellen.

Yps – ich war da auch mal dabei.

Oktober 23rd, 2012 - 

Ich habe da mal was zu meinem ehemaligen Arbeitsthema Yps und dem Launch des neuen Heftes geschrieben. So ganz seriös und so … auf medienrot.de >>

PS: Für diese Seite bin ich beruflich verantwortlich.