Coucou!

Juni 15th, 2014 - 

Eigentlich wollte ich diesen Blog mit diversen Artikelchen und Fotos als Expat in Paris bestuecken. Zum Beispiel wie chic und teilweise zu Tode gentrifiziert einige Stadtteile sind, dass einem in Berlin angst und bange werden kann. Oder der Frage nachgehen, ob die Pariser im Durchschnitt alle so duenn aussehen, weil nicht nur das Essen so teuer ist? Ueber 11qm WG-Zimmer fuer 700 Euro oder 19 qm 1-Raumwohnungen und viel zu enge Buergersteige. Was wiederum vielleicht dazu fuehrt, dass draussen Cafès, Bistros und Restos proppevoll sind?

Darueber, dass der Pariser Hipster keine Jutebeutel traegt, Anoraks oder Turnschuhe, sondern Maentelchen, grosse Schals, teure Handtaschen und Absatz. Ueber das Geruecht, dass Franzosen einen nicht verstehen wollen, wenn man kein oder nur schlechtes Franzoesisch spricht, was sich nicht bewahrheitet hat. Ueber die tolle Kunst-und Streetart Szene, ghettoisierte Stadtviertel und trotzdem irgendwie mehr Integration im Stadtbild als in Deutschland. Ueber das U-Bahnfahren, was taeglich einem gratis Rugby-Training gleichkommt, weil die Metro aus allen Naehten platzt. Ueber U-Bahntickets und Restaurantschecks, die ein Unternehmen ihren Mitarbeitern ausgeben muss, sobald es eine bestimmte Anzahl an Angestellten hat.

Darueber, wie klein das eigentliche Paris ist und alle dem Charme einer Stadt hinterhersuchen, die es wahrscheinlich nur bis in die Zwanziger oder Siebziger gab. Darueber, dass Paris Berlin toll findet und andersherum. Wie wenig Rollstuhlfahrer, Kinderwagenschieber oder Radfahrer man im Vergleich zu Berlin sieht. Darueber, dass dauernd irgendwo gegen etwas demonstriert und gestreikt wird, sich die Franzosen aber eben Dinge wie eine 35h-Woche-darueber gibt-es-Aufschlag-im-Stundenlohn durch Proteste und demokratische Prozesse erarbeitet haben. Und jetzt trotzdem die Front National ins Europa-Parlament eingezogen ist. Darueber, dass man sich staendig fragt, wie sich ein Normalsterblicher diese Stadt leisten kann und wie erschreckend viel Armut und Dekadenz sichtbar ist. Wieviel Spass es macht, diese Stadt zu entdecken. Aber irgendwie hatte ich so viel mit dem analogen Entdecken zu tun, dass ich nicht zum Bloggen/Schreiben gekommen bin. Und jetzt bin ich leider schon wieder weg. Tschuldigung.

Alle Menschen sind Ausländer, fast überall.

Januar 22nd, 2012 - 

Wer oder was bin ich? “Menschen, die für eine gewisse Zeit in der Fremde leben, aber ihrer Heimat verbunden bleiben, ihren Aufenthalt in dem fremden Land als befristet ansehen und sich seiner Kultur nicht assimilieren und auch keine fremde Staatsbürgerschaft anstreben,” sind laut Wikipedia? ….Na?

Gastarbeiter, Migranten, Einwanderer, Ausländer? Klingt negativ? Jetzt kommt es noch dicker. Ich habe einen Job, eine Wohnung, eine befristete Aufenthaltsgenehmigung, kaum Kontakt zu  Einheimischen und kann in der Landessprache nicht einmal einkaufen, Integrationswille eher mittelmässig. Wer jetzt an kopftuchtragende Großfamilienklischees auf Hartz 4 denkt, sei eines besseren belehrt. Auf chic-Deutsch heisst das nämlich Expatriat. Gleicher Inhalt, andere Verpackung.

Während Deutschland über Fachkräftemangel klagt (gleichzeitig mit Leuten wie mir aber nur wenig anfangen kann) und Einwanderungswellen aus den südlichen Eurokrisenländer erwartet (mein ganz persönliches Exemplar musste ich der umständehalber in Berlin lassen, ist das nicht schön schizophren?) setze ich mich zeitweilig etwas mehr nach Süden und Osten ab. Eben noch Berliner Prekariat, nun temporär ab in den Mittelschichtsspiessertraum und das corporate Hamsterrad.

Hiermit eröffne ich diese Kategorie, in die alles rein darf, was irgendwie im entferntesten mit Migration usw. zu tun hat und einfach kleine Blickwinkel auf die alltäglichen damit verbundenen Dinge wirft.

Und jetzt hätt ich gern eine Currywurst von einem prolligen Stehimbiss.