Wearables – warum eigentlich?

14. April 2015 - von - Jens  - 

  

Bis vor gut drei oder vier Jahren habe ich regelmäßig versucht, die Apple-Events zu Produkt-Vorstellungen so live wie möglich über digitale Medien zu verfolgen. Inzwischen ist das nur noch ganz selten der Fall. Die neue Apple Watch interessierte mich dann doch.

Mein digitales Arbeitsumfeld ist komplett auf Apple-Produkte ausgelegt. Oft sind sie nicht mehr die aktuellste Generation, aber sie sind eben alle vom kalifornischen Hersteller aus chinesischer Produktion. Und so wollte ich auch wissen, was es mit der Uhr auf sich haben wird.

Mich erstaunte zuerst die intensive Präsentation, die im Netz mit einem ausgefeilten Live-Stream, einem sehr attraktiv aufgesetzten Live-Blog und verdammt hochwertig aussehenden Präsentationsvideos sicherlich einen neuen Maßstab von Liveberichterstattung aus Sicht eines Unternehmens aufgezeigt haben dürfte.

Inzwischen weiß ich doch einiges über die Uhr und die sehr informative Apple Watch Review von Nilay Patel hat dazu sehr viel beigtragen. Die Uhr wird also nicht ohne mein iPhone wirklich vollwertig funktionieren. Das irritiert mich. Bin ich doch anfangs davon ausgegangen, dass die Uhr eine eigene Sim-Karte in sich tragen würde. Letztendlich ist sie so nur eine Art Anhängsel, die mir Zugang zu Informationen über mein Smartphone geben kann. Das überzeugt mich aktuell noch nicht.

Allerdings gibt es einen noch viel wichtigeren Punkt, der mich davon abhält ein Wearable, wie diese Uhr zu kaufen. Ich möchte nicht permanent getrackt und vermessen werden. Dabei geht es mir in erster Linie noch gar nicht um Datenschutz, sondern um die Punkt der Entspanntheit. Ich habe Bammel davor, ständig Informationen über meine Vitalwerte zu erhalten. Was ist, wenn sie sich als problematisch herausstellen? Renne ich dann nur noch zu Ärzten? Will ich das?

Ich bin noch nicht ganz 40 Jahre alt. Da muss ich natürlich über Vorsorge nachdenken. Das ist aber etwas anderes, als eine dauerhafte Überwachung meiner Körperfunktionen mitlaufen zu lassen. Ich möchte einfach Mensch sein und in Ruhe leben. Wenn das nicht so lang sein sollte, wie es anderen Menschen beschieden ist, dann wäre das doof. Andererseits möchte ich mir nicht meine Lebensweise von einem technischen Gerät tracken und später vielleicht auch vorhalten lassen.

Insofern ist meine aktuelle Einstellung zu Wearables bzw. deren Services eher ablehnend. Zum Einen fehlt mir der Mehrwert jenseits eines Smartphones und zum Anderen will ich die persönliche Datenaufzeichnung nicht.

On Topp kommt dann noch das Thema Datenschutz. Wer bekommt meine Daten? Apple? Verkauft Apple oder ein App-Anbieter meine Daten personalisiert an meine Versicherungen oder Krankenkasse? Habe ich überhaupt noch eine Hoheit über meine Daten?

Das sind teilweise sicherlich sehr kritische Fragen. Apple & Co können die dahinter stehenden Bedenken im Moment womöglich entkräften. Für die Zukunft ist das vermutlich nicht der Fall. Denn Daten sind das neue Öl. Um das alte, fossile Öl wurden und werden immer wieder Kriege geführt. Warum sollte es – sicherlich mit anderen Mitteln – nicht auch Kriege um digitales Öl geben? Die Vergangenheit lehrt mich, die meisten Opfer gibt es unter den ZivilistInnen. Im digitalen Zeitalter sind die ZivilistInnen sicherlich die KonsumentInnen und damit NutzerInnen von Wearables, Smartphones, Social Networks und Co.

Deshalb werde ich trotzdem nicht aus der digitalen Welt aussteigen. Aber im Verhältnis zu vor nur wenigen Jahren, gehe ich immer vorsichtiger mit meiner digitalen Identität um – auch wenn mir das nur in Teilen gelingen wird.

 

 

 

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