Ein kleines Stück Entdigitalisierung?

12. April 2015 - von - Jens  - 

  

Über die Jahre haben meine Herzensdame und ich unsere Print-Abos abbestellt und bisher nicht durch konsequente Umwandlung in digitale Abos kompensiert. Selbst das teildigitale Abo von Lovefilm haben wir nicht in ein Amazon-Prime-Account umgemünzt, sondern komplett darauf verzichtet.

Bisher habe ich das nicht als wirklichen Verlust wahrgenommen. Dachte ich zumindest. Denn in den vergangenen Wochen kam es öfter vor, dass ich mir eine regionale Wochenend-Zeitung gewünscht habe. Meine Herzensdame möchte inzwischen gern die vierteljährlichen Sonderausgaben einer bestimmten Zeitschrift abonnieren und für unser größeres Kind hat sie ebenfalls ein Abo vorgeschlagen.

Ich bin ein ehemaliger Printler, hab ich doch meinen Weg in die Medien mit einer Ausbildung beim Axel Springer Verlag in Berlin begonnen. Später sammelte ich viele Jahre Erstausgaben von deutschen Magazinen. Ich liebe gutes Papier, ob ich meiner absurden Kunst nachgehe oder Magazine lese und betrachte.

Und trotzdem verdiene ich seit dem Jahr 2000 meinen Lebensunterhalt zum überwiegenden Teil mit dem digitalen Publizieren. Mein persönlicher Medienkonsum entwickelte sich seit der Jahrtausendwende ebenfalls weiter in Richtung digitaler Inhalte. Und so stehe ich, aber auch meine Herzensdame, inzwischen ohne Printabo da.

Unter der Woche sehe ich darin auch keinen Nachteil. Am Wochenende würde ich mich aber dann doch über eine analoge Postille im Briefkasten freuen. Zum Frühstück eine Zeitung. Eine Wochenend-Ausgabe, die mich retrospektiv über die wichtigen Themen der Woche mit tiefergehenden Berichten über die Hintergründe von Nachrichten aufklärt. Eine Zeitung, die mir Berlin wieder etwas näher bringt. So daß ich über die regionale Politik, Wirtschaft und Kultur auf dem Laufenden bleiben kann.

Früher hatten wir dafür die Taz. Eventuell wird sie es wieder werden, meine Wochenend-Zeitung. An den kommenden Wochenenden werde ich jedoch die Wochenend-Ausgaben der verschiedenen Berliner Tageszeitungen ausprobieren. Denn meine Ansprüche sind im Moment noch etwas diffus, da ich keines der Blätter bisher beurteilen kann.

Meine Herzensdame wird also bis zu vier Printausgaben einer Zeitschrift abonnieren. Unser Kind bekommt dann 14-tägig ein Magazin und kaufe mir eine Wochenend-Ausgabe. Alles Print.

Warum eigentlich?

Ich habe versucht, meinen recht spärlichen Buchkonsum der letzten Jahre mit einem Kindle anzukurbeln. Es hat nicht geklappt. Ein eBook, das ich gekauft habe und unbedingt lesen wollte, werde ich mir nun als Paperback nachkaufen und vermutlich schneller lesen.

Auf meinem iPad kann ich keine längeren Texte lesen. Das macht mir einfach keine Freude. Eine sinnvolle Berliner Onlinepublikation habe ich bisher nicht gefunden, die mich nach oben beschriebenem Muster gut informiert. Meine Herzensdame und unser größeres Kind lesen beide noch ausführlich auf Papier. Gemeinsam lieben sie die Besuche in der Bücherei.

Meine persönlichen Gründe für Print sind dabei recht banal. Ich möchte es entspannter, ruhiger und mit dem gemütlichen Rascheln von Papier. Und Papier gab mir bisher immer ein Gefühl von Endlichkeit. Habe ich ein Buch, ein Magazin oder eine Zeitung bis zum Ende gelesen, war da eben auch ein Ende. Meine partielle Entdigitalisierung soll mir also etwas Ruhe zurückbringen. Auch wenn ich noch gar nicht einschätzen kann, ob eine Wochenend-Zeitung dieses Bedürfnis befriedigt. Ein Versuch wird es zeigen und ich werde vielleicht darüber berichten.

Wie sieht es bei euch mit dem analogen Lesekonsum aus? Ich freue mich über Rückmeldungen in den Kommentaren.

5 Responses to “Ein kleines Stück Entdigitalisierung?”

  1. Dani sagt:

    Witzig, dass Du das gerade jetzt schreibst, ich habe am Wochenende seit Ewigkeiten mal wieder einen Spiegel gekauft, weil ich zurzeit so viel Bahn fahre und dabei gerne lese. Zur VÖ des DTH Buchs habe ich außerdem als Dankeschön ein Paket mit Büchern von Rowohlt geschenkt bekommen und habe festgestellt, dass ich auch viel mehr Spaß daran habe als mit dem E-Book-Reader, obwohl ich anfangs gedacht habe, ich würde mehr und zügiger lesen, wenn ich einen Reader habe. Das hat sich nur kurz bewahrheitet. Ich bin zwar ziemlich auf dem Nachhaltigkeitstripp, d.h. eigentlich müsste ich dabei bleiben, Bücher digital zu lesen, aber ganz ehrlich: Mir fehlt ein bisschen die Seele. Auf langen Reisen sind die E-Book-Reader sehr praktisch, denn wenn Du drei Wochen in den Urlaub fährst, willst Du nicht 5 Bücher mitschleppen, aber wenn ich Kurztripps mache oder mit der Bahn fahre, bin ich tatsächlich wieder auf Papier umgestiegen. Es fühlt sich einfach besser an. Das gilt natürlich ganz besonders für das Lesen im Park. Zeitungen sind aber tatsächlich nicht mehr mein Ding, das Format hat mich schon immer sehr genervt. Dann lieber Zeitschriften.

  2. Jens sagt:

    Dani, du bist ja auch noch um einiges jünger als ich. :-D Da verstehe ich schon, dass du Zeitungen nicht mehr so wichtig findest.

    In Sachen Bücher und Urlaub: Das Problem kenne ich tatsächlich nicht. Ich nehme ein Buch mit und dann ist eben erst am Ende des Urlaubs fertig. Ich bin da womöglich einfacher gestrickt. ;-)

    Gruß Jens

  3. Dani sagt:

    “Einiges” – das klingt jetzt aber steinalt :) Aber ich lese wirklich lieber bei Heise.de oder NachDenkenSeiten, da habe ich dann einen medialen Rundumschlag und lese dann auch gerne die Linktipps zu FR, FAZ, SZ etc. – SpiegelOnline ist für mich allerdings kaum zu ertragen. Was mir fehlt, ist so ein Portal wie in Holland, wo man pro Artikel zahlt oder ein Abomodell, das sich nicht auf einzelne Zeitungen beschränkt. Ich wäre nämlich dazu bereit, für guten Journalismus zu bezahlen – aber nicht altmodisch auf Papier.

    Kommt auf den Urlaub an: Bei Strandurlauben brauche ich mehr als ein Buch, davon habe ich aber tatsächlich auch nicht sonderlich viele gehabt in den letzten 20 Jahren.

  4. nic sagt:

    Habe durch einen Umzug unfreiwillig zwei Wochen in einer halbleeren Wohnung verbracht, weder Radio, TV noch Wifi gehabt, bis auf das Smartphone. Lesen war schnell nervig, Videokonsum auch, Wetter liess zu wünschen übrig. Nach ein paar Tagen digitalem Detox war ich extrem entschleunigt und habe mir dann ein Buch gekauft. Waren sehr entspannte Feierabende.

  5. […] neulich schrieb ich über das kleine Stück Entdigitalisierung durch die Wiederaufnahme des Lesens einer Wochenendzeitung. Im Moment sind wir da noch beim […]

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