03. Oktober 2014

03. Oktober 2014 - von - Jens  - 

Das ist ein Datum, welches in meinem Leben mit ganz großer Sicherheit eine ganz wichtige Rolle gespielt hat, ohne dass ich es mir je wirklich bewusst gemacht habe.

Für mich spielte der 09. November eine viel wichtigere Rolle. Denn der Mauerfall war das Ergebnis einer Bewegung, die für uns DDR-BürgerInnen ein freieres Leben erstritten hatte. Eine Bewegung, die gezeigt hat, dass man einem System etwas abtrotzen, es gar stürzen kann. Bis heute ist dieser Tag für mich eine Motivation so ziemlich alles infrage zu stellen. Weil ich es kann.

Denn ich hatte bisher immer Glück. So konnte ich im Berlin der 90er erwachsen werden. In einer Stadt, die wie keine andere die riesige Lücke zwischen zwei Systemen aufzeigte. In einer Stadt, die ebenfalls alles infrage stellen konnte, weil sie musste. Stück für Stück hat sich diese Stadt verwandelt und mir gelehrt, dass Stillstand gar nicht funktioniert.

Ich hatte Glück, denn ich wuchs im Bildungsbürgertum auf. Wissen galt bei uns immer als das Maß der Dinge. Ich konnte reisen, das Abitur machen, eine Ausbildung, selbst studieren war möglich – ohne jemals echte Geldsorgen zu haben.

Ich hatte Glück, weil ich mich frühzeitig für digitale Medien interessiert habe und dadurch schon verdammt schnell meinen Lebensunterhalt durch Internetjobs verdienen konnte.

Ich habe Glück, denn rund um mich herum gibt es Menschen, die meinen eigenen kleinen Wahnsinn ertragen und teilweise auch verstehen können.

Ich habe Glück, weil ich mit meiner Herzensdame zusammen bin, die ich vielleicht ohne Mauerfall nie getroffen hätte – auch wenn sie ebenfalls aus den neuen Bundesländern kommt.

Ich habe Glück, weil wir inzwischen zwei wunderbare Kids haben.

Insofern nutze ich diesen Tag nicht für schwiemeligen Deutschlandpathos, sondern sage lieber mal DANKE!

Danke Schicksal, dass ich das Glück hatte in dieser Zeit und in dieser Stadt aufwachsen und eine eigene Familie gründen konnte.

Danke Familie, dass ihr mich zu einem selbstdenkenden Menschen erzogen habt.

Danke FreundInnen, dass ihr meine FreundInnen seid.

DANKE an alle DDR-Flüchlinge, an alle Leipziger MontagsdemonstrantInnen und all die Oppositionellen, die IHR unbeirrt durchgezogen habt.

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