Westberlin und die merkwürdige Sehnsucht nach den alten Bildern.

Mai 24th, 2013 - 

Ich bin waschechter Ostberliner. In den Siebzigern geboren, kam ich bis zu meinem 14. Lebensjahr in den fragwürdigen Genuss ostdeutscher Erziehungsideen und wurde natürlich auch komplett mit diesem Antikapitalismus-Dingens geimpft. Damals™ war definitiv sehr vieles nicht besser, aber diese “Der Kapitalismus ist doof”-Nummer hilft mir noch heute, in vielen Situationen nicht überrascht zu sein – ich habe da keine romantischen Erwartungen an das Gesellschaftssystem. Der Kapitalismus ist ganz sicher doof, andere Systeme sind aber noch dooferer.

Nun aber zurück zur Überschrift. In den letzten Jahren mehren sich (gefühlt) die TV-Berichte über das alte Westberlin – das Berlin, welches ich nicht kennenlernen konnte und in den ersten Jahren nach der Wende komischer Weise auch nicht kennenlernen wollte. Ab 1990 war ich ja faktisch in der Pubertät und mit mir beschäftigt, sowie meiner auf voller Front fehlenden Coolness.

Wenn jetzt also diese Dokus über die eingemauerte Stadt im TV laufen, bemerke ich bei mir immer wieder eine riesige Neugier nach Bildern dieser alten und ‘versunkenen’ Stadt. Ich will plötzlich wissen, was da in den Achtzigern auf der anderen Seite passiert ist, wie die Gegenden damals™ aussahen.

Inzwischen trage ich mich sogar mit dem Gedanken, alte TV-Serien zu kaufen, um meinen Nachholebedarf zu stillen. Liebling Kreuzberg mit Manne Krug, Praxis Bülowbogen mit olle Pfitze oder Drei Damen vom Grill mit Brigitte Mira und Harald Juhnke – ich habe die Serien damals™ auch beim SFB gesehen, aber heute schaue ich bei solchen Flimmerbildern weniger auf die Story, als viel mehr auf die Bilder der mir unbekannten Stadt Westberlin. Es gibt Momente, in denen ich die Sendungen anhalte, um auf dem Standbild genauere Details zu betrachten.

Wenn ich so zurückdenke, war das gerade als Mensch an der Grenze zu Westberlin eine echt verrückte Situation. Ich wuchs mit dem Radiosender RIAS2 auf, sah abends gelegentlich ARD/SFB/ZDF und SAT1. Und trotzdem war selbst am 8. November 1989 für mich nicht denkbar, dass wir eines Tages wieder eine Stadt Berlin haben würden. Der Westen war medialer, fast fester Bestandteil meines Lebens – und trotzdem so weit weg.

Im Abklingen meiner Pubertät spielte Westberlin trotzdem keine Rolle, obwohl ich in den frühen Neunzigern natürlich jederzeit die Möglichkeit hatte, den ehemaligen Westteil der Stadt zu besuchen. Stattdessen war die Mitte des alten Ostens spannend. Für mich als spätpubertierenden Technofan waren Clubs wichtig, wie das WMF am S-Bahnhof Hackescher Markt, der Tresor an der Leipziger Straße oder sogar die Treptower “Insel der Jugend”. Die Clubs im Westen kannte und kenne ich bis heute nicht. Warum auch? Der Osten war, bedingt durch die ungeklärten Immobilienverhältnisse einfach das kreativere Pflaster, auf dem die wirklich verrückten Ideen umgesetzt werden konnten.

Heute ist mein Interesse groß. Ich kann nur nicht sagen warum. Aber es macht Spaß die mir unbekannte Stadthälfte neu – real und medial – zu erkunden.

#FrueherWarAnders – mitmachen erwünscht.

Mai 22nd, 2013 - 

Früher haben sich Menschen mit Promis fotografieren lassen und die Aufnahmen dann gerahmt an die Wand gehängt. Heute fotografieren sich Menschen mit Promis mithilfe ihrer Smartphones und veröffentlichen die Bilder dann auf ihren Internetwänden bei Twitter, Facebook, Instagram & Co. und sammeln Favs, Likes und Herzchen ein.

Früher heiratete man und gab hinterher eine dicke Fete und schickte den TeilnehmerInnen später die kompromitierenden Fotos von nach Mitternacht zu samt einer Spendennachforderung für das glückliche Paar. Heute bereiten Menschen eine Social-Media-Kampagne mit einem eigenen Hashtag und allem PiPaPo vor. Sie twittern, instagramen und hashtaggen mit ihrer Community aus dem Standesamt. Zusätzlich lassen sie auf ihrer Hochzeitsparty ein Musikvideo mit C-Prominenten produzieren, um es dann mit der ganzen Internet-Crowd zu sharen. Andere ändern fünf Minuten nach der Zeremonie ihren Beziehungsstatus auf Facebook in “verheiratet”.

Früher sammelten wir “Altstoffe” und buckelten uns einen ab, um das eigene Taschengeld aufzupäppeln. Heute lassen wir unsere leeren Bierflaschen in der Straßenbahn oder am Straßenrand stehen, für die Menschen, die ihren Lebensunterhalt aufbessern müssen.

Früher mussten wir uns noch pünktlich vorm Rundfunk- und Fernsehempfänger versammeln, um die Lieblingssendung zu hören oder zu sehen, damit wir am nächsten Tag auf dem Schulhof nicht in der falschen Ecke zu endeten. Heute fragt mein Kind, warum man bei unserem Radio nicht auf “Pause” drücken könnte. Das wäre doch auch bei jedem Youtube-Video möglich.

Ich freue mich auf weitere “Frühers” – entweder hier in den Kommentaren oder gern unter #FrueherWarAnders im sozialen Netz.

My last words zum #ESC2013

Mai 20th, 2013 - 

Deutschland hat beim European Song Contest verrissen. Warum? Aus Gründen. Hier meine unbescheidenen Worte zum an sich belanglosen Schlagergedudel.

#Cascada steht einfach für das ursprüngliche, das echte “Made in Germany”.

Dieses Label sollte damals in UK (irgendwann in achtzehnhundertirgendwas) auf dreiste Nachahmungsprodukte aus Deutschland hinweisen. Insofern ist Cascada vom europäischen Publikum richtig identifiziert und historisch korrekt eingeordnet worden: dreiste Kopie galore. Ich meine ja nur mal so. Schland kann noch dankbar sein, dass diese niveaubefreite Bumm-Bumm-Mucke überhaupt Punkte bekommen hat.

Nun, wenn der #NDR als verantwortlicher #ESC-Sender seine eigene Jury so konservativ und mit offenbar geschmacksbefreiten Menschen besetzt, damit ja nichts Innovatives gewinnen kann, dann ist es also doppelt gerechtfertigt, wenn die plumpe Kopie von plumpem Ballermanntechno (aus Schweden) kaum Punkte bekam.

Wir erinnern uns kurz? Das deutsche Publikum hatte sich für LaBrassBanda aus dem Bayernlande entschieden. Die Jury aus Anna Loos, Roman Lob, Peter Urban, Tim Bendzko und Mary Roos gab hingegen der bayrischen Superkapelle (die sonst auf riesigen Festivals tausende Leute rockt) genau einen Punkt und der torfnasigen Cascada-Dumpfbacken-Techno-Sause acht Punkte! Und kippte so das Zuschauervoting in Richtung Dumpftüten-Techno von Cascada. Obwohl schon vor der Show jedem Menschen mit gesundem Ohrenverstand klar gewesen sein muss, dass der Song “Glorious” von Cascada eine “Fastkopie” des ESC-Vorjahres-Sieger-Songs “Euphoria” der Schwedin Loreen war.

Egal, ob die Jury aus ESC-KennerInnen bestand, sie belegte einfach ihr Kalkül, einen am Reißbrett geplanten und ESC-kompatiblen Song zu pushen, sowie ihren unterirdischen Geschmack. Das muss sich auch das NDR-Planungsteam sagen lassen.

Der #NDR sollte einfach aus den jahrzehntelangen eigenen Pleiten und den kurzatmigen Erfolgen eines Stefan Raab lernen: ein solides offenes Casting zulassen, eine gute Auswahl-Show produzieren, das Publikum entscheiden lassen und dann schauen, ob das nicht der bessere Weg wäre. Verlieren kann man nach der 2013er Peinlichkeit eh nichts mehr. Das ist doch die beste aller Voraussetzungen für einen ergebnisoffenen Neustart.

Für mich geht es dabei vornehmlich gar nicht um den Sieg, sondern darum, dass man mit guten KünstlerInnen und einem guten Song einfach wirksames Standort-Marketing für Schland machen könnte, das diesem Land gut stehen würde. Zumal wir als Publikum das ganze Dingens eh bezahlen und nicht irgend eine konservative Jury oder NDR-IntendantIn.

PS: Die besten MusikerInnen nehmen sowieso nicht an diesem Politikum bzw. dieser Schlagerdödelei teil – und das ist auch gut so, liebe Musikfreundinnen und -freunde.

PPS: Und worin bestand eigentlich noch mal die ESC-Expertise von Tim Bendzko und Anna Loos?

PPPS: Der Kollege ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber hat offenbar einige Zusammenhänge komplett in einer Parallelwelt interpretiert. Für ihn ist unsere Angie Merkel für das Cascada-Debakel verantwortlich. WTF! spiegel.de >>

medienrot-eBook Eventplanung für EinsteigerInnen

Mai 10th, 2013 - 

Hier mal ein kleiner beruflicher Einwurf. Zusammen mit Thea Wulff habe ich das eBook “Über den Roten Teppich bis an die Bar” für medienrot.de realisiert. Thea hat das Buch geschrieben, ich habe mich um die verlegerischen Aufgaben gekümmert. Im Buch dreht sich alles um die Planung eines Events. Die Links zu den eBook-Stores findet ihr auf medienrot.de >>

Nur dafür gibt es das Internet!

April 21st, 2013 - 

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Happy Valentine!

Februar 14th, 2013 - 

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Merke!

Januar 1st, 2013 - 
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Happy New Year!

Januar 1st, 2013 - 
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#berlintales no. 28

Dezember 21st, 2012 - 

Am Morgen fuhr die Mutti mit ihrem klapprigen Fahrrad ihren Sohn zur Kita. Der Junge saß unsicher auf dem kalten Gepäckträger und klammerte sich ängstlich an die Hüfte seiner Mom.

Leider fehlte ihr das Geld für den Kindersitz, denn ihre UGG-Boots für 299 Euro und ihr stylischer Fahrradhelm für 149 Euro hatten leider das vorweihnachtliche Familienbudget auf Grundsicherungsniveau sinken lassen.

#berlintales no. 26

Dezember 5th, 2012 - 

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Was würde MacGyver tun, um seinen Apple-Laptop ohne Frostschäden durch den Berliner Winter zu transportieren?

Richtig, er würde mit dem Firefox-Browser ein Flash-Video aufrufen, was den Rechner richtig heiß laufen ließe. Dann würde er das erhitzte Gerät in eine Neoprentasche stecken und den dadurch bedingten Wärmestau nutzen, um das Macbook sicher durch die frierende Stadt zu tragen …