Ein kleines Alltagswunder

24. Juni 2011 - 

Es gibt in dieser Stadt noch kleine Wunder und ausgezeichneten Service.  Berlin, gestern, 13Uhr. Auf dem Weg zum Flughafen nahm ein Freund von mir erst den falschen Bus und ließ dann vor Aufregung beim Umsteigen in den richtigen sein Handgepäck liegen. Das fiel ihm gegen 13:30Uhr beim Check-In für den Flug ins Heimatland auf. Reisepaß, Telefon und Medikamente waren gerade irgendwo in der Innenstadt unterwegs oder hatten schon einen Zweitbesitzer gefunden. Das Einchecken an sich war zwar dank Ausweis nicht das Problem, aber verlorene Papiere u.ä. ziehen einen unangenehmen Rattenschwanz an Bürokratie nach sich, nicht nur in Deutschland.

Als ich vom Flughafen aus von meinem Kumpel über das Missgeschick informiert wurde, kontaktierte ich um 13:45 Uhr das Fundbüro der BVG.  Es antwortete erst eine Computerstimme, die mir aufzählt, welche Taste ich wofür drücken soll, danach ein x-beliebiger Callcenter-Mitarbeiter. Der Herr ist nett, spricht Deutsch mit Akzent und spult sein Programm runter. Innerlich dachte ich mir “Vergiss es, jetzt musst du irgendein Formular ausfüllen und bekommst eine andere Telefonnummer, wo du ab morgen einmal täglich umsonst anrufst. Mach dir nichts vor, das Teil ist schon längst weg.”

Keine 5 Minuten später hatte ich einen Rückruf von dem netten Herrn aus dem Callcenter. Der Rucksack wurde tatsächlich gefunden, hatte also noch nicht den Besitzer gewechselt und befand sich gerade am Alexanderplatz. Man gab mir das Kennzeichen und die planmäßige Ankunftszeit des Busses bei der nächsten Flughafenrunde durch.

14:30 Uhr – irgendwie habe ich es geschafft, genau fünf Minuten vor dem Bus am Flughafen zu sein. Als ich aussteige, steht schon ein informierter BVG-Mitarbeiter neben dem aufgeregten Fluggast. Die Zeit für den Flieger wird knapp, am Flughafen sieht es dank eines Staatsbesuches mal wieder recht unübersichtlich aus. Der Fluggast wird nervös und macht sich auf den Weg zur Sicherheitskontrolle. Dann kommt tatsächlich der entsprechende Bus, dienstbeflissen zeigt mir der freundliche  (!)  Busfahrer noch, dass alles an seinem rechten Platz im Rucksack ist. Mit einem Sprint schafft es der Rucksack gerade noch zurück zu seinem Besitzer und beide heben zusammen ein paar Minuten nach 15Uhr Richtung Heimat ab.

Wow, liebe Mitmenschen & liebe BVG, ich war echt sprachlos, dass so etwas in Berlin noch möglich ist. DANKE!

 

Frauenfussball mit Plattfuss

22. Juni 2011 - 

Es sind nur noch wenige Tage bis zur Fussball-WM. Das Auftaktspiel im Olympiastadion ist ausverkauft, Deutschland spielt gegen Kanada.

Die Schlange im Berliner Kaufhaus ist lang und so vertreibt man sich die Zeit mit einem Plausch. Die nette Dame nebenan entpuppt sich als WM-Mama, ihr Schützling kickt am Sonntag im Mittelfeld der kanadischen Nationalmannschaft gegen unser Team.  Presse und ein Kamerateam sind auch schon da.

Allerdings nicht wegen der kanadischen Spielermama, sondern wegen IHM. ER signiert  seine Autobiografie. Deswegen ist auch die Kanadierin heute ins Kaufhaus gekommen. Ob sich Mutter Schweinsteiger auch mal eben brav und unbehelligt angestellt hätte? Wer weiss, vielleicht ist ja auch Messis Mutter Bud Spencer-Fan.

Interviewt wurde sie dann doch.  Einen kanadischen Bud Spencer-Fan aus Paraguay, der auch noch deutsch spricht, bekommt man nicht oft vor die Linse.  Fazit: Der Frauenfussball hat aufmerksamkeitstechnisch heute wieder eindeutig den kürzeren gezogen;)

 

Unsere kleine Farm

16. Juni 2011 - 

Stadtgärten sind seit ein paar Jahren wieder richtig “in”.

Die Rede ist hier nicht vom Tiergarten, sondern von kleinen und großen urbanen Gemüsebeeten beziehungsweise Blumenrabatten für Jedermann. So können Großstadtkinder und Stadtaffen u.a. im Prinzessinnengarten oder im Lichtenberger Stadtgarten ihren grünen Daumen testen. Oder einfach, wie hier dokumentiert, die nächste Strassenecke in Beschlag nehmen.

Berliner Stadtmusikant

25. Mai 2011 - 

Nach einem langen Arbeitstag hab ick mir inna S-Bahn wie Bolle jefreut – über das Bollelied von Gitarre aus Moabit. Rote Clownsnase, Klampfe, S7 mitten in Mitte.  Umgeben von feierabendfeiernden Schlipsträgern schrammelte und berlinerte er wieder fröhlich vor sich hin.  Weiss inzwischen nicht mehr, wann ich den Berlin-Barden das erste Mal in der Bahn erlebt habe. Hinterher bin ich immer gut gelaunt, danke dafür! Da es das Bollelied leider noch nicht ins Netz geschafft hat, hier einer seiner etwas älteren S-Bahn Superhits. YouTube Preview Image

I ♥ Berliner Servicementalität

1. April 2011 - 

In diesem Sinne ein schönes Wochenende und viel Spaß auf den Wochenendflohmärkten.

Kunst und Politik dalla Strada

30. März 2011 - 

* Jesus kommt bald – bereitet schonmal die Nägel vor

 

Frisch aus Italien importierte urbane Straßenkunst. Vor zwei Wochen feierte Italien den 150. Geburtstag. Kaum eine Schaufensterscheibe oder ein Balkon ohne Tricolore in Grün-Weiß-Rot, dazu Feste und freier Eintritt in Museen. Inmitten der kleinen Gassen, großen Plätze und Prachtbauten fühlt man sich da so richtig feierlich. Im Fernsehen blubbern weiterhin surreal komische Shows und knapp bekleidete Frauen um die Wette. Das neue Buch vom Papst tummelt sich wie in Deutschland auf dem obersten Platz in den aktuellen Bestsellerlisten der Sachbücher. Der Ministerpräsident wirbt in einem Videospot dafür, doch mal wieder Italien neu zu entdecken.

Und dann gibt es noch Kunst und Politik von der italienischen Straße. (weiterlesen …)

Stricken goes Graffitti

4. März 2011 - 

YouTube Preview Image Basteln ist was für langweilige Nerds ohne Freunde und Stricken für alte Omas. Denkste! Stricken ist Street Art, wer bastelt ist momentan voll im Trend. Wie sowas aussehen kann, zeigt obiges Video einer (wenn ich nicht irre) australischen Strickkünstlerin.

PS: Im Rahmen einer Buchpremiere findet in der Berliner Innenstadt eine kleine urbane Strickattacke statt.  Sonst bestricken diese anonymen Wollspinner die Londoner Innenstadt. Morgen sind alle Berliner Strickliesel- & -Michel dazu eingeladen, beim Wollflashmob mitzumachen.

“Berliner Bildungselite”

2. März 2011 - 

Gestern durfte ich in einem Berliner Gymnasium eine unfreiwillige Zeitreise einlegen.  Mag als Filmkulisse bestens geeignet sein, aber zum zeitgemäßen Lernen? Der Rest der Schule samt Turnhalle sah genauso aus:( Schäm dich, Berlin!

Taste the Waste

20. Februar 2011 - 

Wie hieß es mal so schön, man ist, was man isst. Essen hat heutzutage in den Indusrieländern keinen Wert, sondern nur noch einen Preis.  Hand aufs Herz, wer von uns war noch nie einkaufen, um dann die Hälfte weg zu werfen, weil die Augen größer waren als der Magen? Oder schonmal Erdbeeren im Winter gekauft, die dann in den Eimer gewandert sind, weil sie nicht geschmeckt haben? Lieber der kleine Schrumpelapfel aus Nachbars Garten oder der hochglanzpolierte perfekte Apfel aus Neuseeland? Mist, die frischen Tomaten sind auch in Rekordzeit im Kühlschrank verschimmelt?

Im Rahmen des kulinarischen Kinos der Berlinale konnte man etwas abseits vom roten Teppich und Blitzlichtgewitter den Themen Lebensmittelverschwendung und Nachhaltigkeit ewas näher auf den Grund gehen. So war ich diese Woche auf der Berlinale bei einer Buchvorstellung des Terra Madre Netzwerks und gestern bei der Preview eines Dokumentarfilms, der demnächst in den Kinos läuft.

Was weltweit täglich in den Müll fliegt, würde reichen, um alle satt zu kriegen. Wer davon ausgeht, dass nur Lebensmittel aussortiert werden, die schlecht und ungeniessbar sind, irrt gewaltig. Ein Großteil ist einfach Überproduktion, hat ein abgelaufenes Mindesthaltbarkeitsdatum oder erfüllt bestimmte Normen nicht:  zu klein, falsche Farbe, nicht hübsch genug für den Supermarkt.

Der Dokumentarfilm “Taste the Waste” lieferte gestern entsprechend erschreckende Bilder und Zahlen bei der Berlinale-Vorführung, zeigte aber auch, wie man mit altem Brot heizt oder was die schlauen Japaner so für Recyclingideen umsetzen. Im Anschluß an die Preview gab es während einer regen Podiumsdiskussion und Musik ein leckeres Abendessen aus feinstem Müll – natürlich aus entsorgten Lebensmitteln. Meine traurige braune Banane auf dem Küchentisch wandert morgen nicht in den Eimer, sondern in den Mixer als Milchshake!:)

Das Frauenbild in Italien

14. Februar 2011 - 

YouTube Preview Image Warum italienische Frauen nicht erst seit den “Bunga Bunga”-Geschichten die Schnauze voll haben, zeigt dieser Dokumentarfilm zum Frauenbild im italienischen Fernsehen. Auf der anderen Seite ist diese Art von TV-Job anscheinend nach wie vor beliebt und nicht selten Garant für die spätere Heirat mit einem Fussballprofi oder für ein einflussreiches Pöstchen für später.